UN-Gipfel zu Flucht und Migration: Genug der leeren Worte, es ist Zeit zu handeln

Katsikas Camp in Griechenland: Als Konsequenz aus der Schließung europäischer Grenzen gibt es in Griechenland nun 30 Lager, in denen die Flüchtlinge während vieler Monaten bleiben müssen.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hielten die Vereinten Nationen am 19. September einen Gipfel zum Thema Flucht und Migration ab. Die 193 Mitgliedstaaten wollten sich auf die „New Yorker Erklärung“ zum Umgang mit Flüchtlingen und Migranten einigen. Ärzte ohne Grenzen hilft Menschen auf der Flucht weltweit und ist skeptisch, was das Ergebnis des Gipfels angeht.

"Im Entwurf dieser Erklärung sind mehr Koordination, mehr Menschlichkeit und eine bessere Reaktionsbereitschaft festgeschrieben, doch diese hochfliegenden Ziele werden durch das praktische Handeln vieler teilnehmenden Staaten konterkariert“, sagt Aurelie Ponthieu, Expertin für humanitäre Fragen bei Ärzte ohne Grenzen. „Statt die Rechte des Einzelnen zu achten und bereits bestehende Verpflichtungen einzuhalten, wählen viel zu viele Regierungen immer restriktivere und schädlichere Ansätze - offenbar mit dem Ziel, den ohnehin schon verletzlichen Kindern, Frauen und Männern noch mehr zu schaden und sie so weit wie möglich außer Sicht zu halten. Wenn diese Regierungen ihre Politik nicht radikal ändern, wird der Gipfel kaum mehr bringen als Gutfühl-Rhetorik und leere Versprechen. Stattdessen wird er dazu beitragen, dass das Leiden von Millionen Menschen auch in Zukunft weitergeht."

Anlässlich des Gipfels dokumentiert Ärzte ohne Grenzen in einem kurzen Bericht die Realität von Schutzsuchenden, wie sie die Projektmitarbeiter weltweit erleben. Das Papier "Reality Check" beschreibt an konkreten Beispielen aktuelle Gefahren und relevante Themen für Flüchtlinge und Migranten.

Während die Staats- und Regierungschefs in New York diskutieren, sitzen rund 75.000 Flüchtlinge an der syrischen Grenze zu Jordanien fest, nur wenige Kilometer entfernt vom Kriegsgebiet; 350.000 somalischen Flüchtlingen droht die Rückführung aus dem kenianischen Lager Dadaab ins somalische Kriegsgebiet; Zehntausende Menschen erleben extreme Gewalt in Libyen und warten auf eine Chance, das Mittelmeer zu überqueren, in dem in diesem Jahr bereits 3.200 Männer, Frauen und Kinder ertrunken sind. In Mexiko enthält die von den USA finanzierte Grenzstrategie „Programa Frontera Sur“ lateinamerikanischen Asylwerbern das Recht auf Asylverfahren und Schutz vor; in Südostasien werden die Rohingya ausgebeutet und in der Region Tschadsee wurden 2,6 Millionen Menschen von Boko Haram vertrieben.