Bangladesch

Teams helfen Überschwemmungsopfern in Indien und Bangladesch

Indien 2007: Überschwemmungen in Bihar

Nach den jüngsten Überschwemmungen in Südasien, bei denen weite Teile Nordindiens, Nepals und Bangladeschs zerstört wurden, hat Ärzte ohne Grenzen Hilfsprogramme in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka und in der indischen Region Bihar gestartet. In den vergangenen Tagen hatten Mitarbeiter die Notwendigkeit für eigene Nothilfeprojekte in allen drei betroffenen Ländern erkundet. Die dringendste medizinische Versorgung ist derzeit jedoch für die meisten Betroffenen dank der großen Hilfsanstrengungen von Behörden und lokalen Hilfsorganisationen gewährleistet. Ärzte ohne Grenzen beobachtet die Entwicklung in der Region aber aufmerksam, da mit dem Rückgang des Wassers Krankheiten drohen. Die Teams sind jederzeit zur Intervention bereit.

In Dhaka baut Ärzte ohne Grenzen ein Zentrum zur Behandlung von Durchfall auf, nachdem es vom dortigen Internationalen Forschungszentrum für Durchfallerkrankungen (ICDDR) um Unterstützung gebeten wurde. Die tiefer gelegenen Stadtgebiete stehen unter Wasser, die Hygienesituation hat sich stark verschlechtert und der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist schwierig. Die Zahl der an Durchfall Erkrankten ist stark gestiegen. Erste Fälle von schwerem Durchfall und Cholera wurden gemeldet.

 

Fast 1.000 Durchfallpatienten an einem Tag

Normalerweise nimmt das ICDDR zu dieser Jahreszeit täglich 200 an schwerem Durchfall leidende Patienten auf. Allein am 10. August dieses Jahres waren es knapp 1.000 Erkrankte. Bei 30 Prozent der Patienten wurde Cholera diagnostiziert. Mit Rückgang des Wassers werden weitere Krankheitsfälle befürchtet.

Das Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen wird zunächst 100 Betten für Durchfallpatienten bereitstellen. Falls nötig, kann die Zahl der Betten auf 200 erhöht werden. Wenn es die Lage erfordert, wird Ärzte ohne Grenzen außerdem ein weiteres Zentrum in einem anderen Stadtteil errichten.

Mobile Teams helfen Menschen im indischen Bihar

In der besonders von den Fluten betroffenen Region Bihar im Nordosten Indiens startet Ärzte ohne Grenzen zwei mobile Klinken. Seit Mitte August behandeln Mitarbeiter hier auch Kala Azar-Patienten, denn nirgendwo leben mehr an Leishmaniose Erkrankte als in Bihar. Die mobilen Teams von Ärzte ohne Grenzen werden sich um die Betroffenen im Distrikt Darbanga kümmern, die bisher ohne jede medizinische Hilfe sind. Nach den Überschwemmungen sind hier schätzungsweise 1.500 Menschen in notdürftigen Lagern untergekommen. Mediziner und Logistiker werden Vertriebene und Menschen, deren Dörfer durch die Fluten von der Außenwelt abgeschnitten worden sind, versorgen. Das Projekt ist zunächst auf zwei Monaten angelegt.

Viele Betroffene werden von lokalen Hilfskräften und Behörden versorgt

In den indischen Bundesstaaten Uttar Pradesh und Assam, wo Ärzte ohne Grenzen ein Malariaprojekt betreut, kümmern sich einheimische Organisationen und Behörden um die Betroffenen. Sie verteilen Wasser und Nahrungsmittel an die rund neun Millionen Menschen, die durch die Überflutungen obdachlos geworden sind. Außerdem hat die Regierung damit begonnen, Chlortabletten und -pulver zu verteilen, um die Gefahr von Erkrankungen durch verschmutztes Trinkwasser zu senken. Bisher wurden keine Krankheitsausbrüche gemeldet.

Die Regenzeit dauert jedoch noch bis Mitte September, und es ist nicht auszuschließen, dass es in den kommenden Wochen weitere starke Regenfälle geben wird.

Verunreinigtes Wasser könnte Krankheiten verursachen

Sobald das Wasser zurückgeht und die Menschen in ihre Heimatorte zurückkehren können, werden die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sich in Bihar um die Versorgung mit sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen kümmern, um das Risiko von Krankheiten zu minimieren.

Auch in Uttar Pradesh, Assam und Bangladesh beobachten Teams die Entwicklung sehr aufmerksam. In den Regionen Sirjganj und Kurigram im Norden Bangladeschs ist die Situation dank der Hilfe der Regierung und anderer Organisationen derzeit jedoch unter Kontrolle.

In Nepal werden in den kommenden Tagen Teams zu dem südlich gelegenen Bundesstaat Terai aufbrechen, um sich vor Ort einen Eindruck von der Situation zu verschaffen.