Haiti

Teams arbeiten unter Hochdruck in den Operationssälen - fehlender Materialnachschub problematisch

Provisorischer OP-Bereich im Krankenhaus in Stadtteil Carrefour.

In den Einrichtungen und Operationssäle von Ärzte ohne Grenzen in und um Port-au-Prince wird auch am siebten Tag unter Hochdruck gearbeitet. Die Teams sind zunehmend besorgt wegen der Nachschubprobleme, die allmählich negative Auswirkungen für die Patienten haben. Medikamente für chirurgische Behandlungen und Ausstattung wie Dialysegeräte werden dringend gebraucht, aber die Probleme bei der Anlandung von Cargo-Schiffen führen zu Verzögerungen.

Loris De Filippi, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Choscal Krankenhaus in Cite Soleil sagt, dass die Arbeit unter schwierigen Bedingungen stattfindet. "Es ist der heftigste Teil unserer Arbeit. Jedes Mal, wenn wir aus dem Operationssaal kommen, sehen wir in den Gesichtern die Bitte um Behandlung. Die Menschen flehen uns vor dem Krankenhaus darum an. Das ist eine sehr schwierige Situation. Wir versuchen, unsere Kapazitäten auszuweiten, um diesen Menschen zu helfen. Aber wir brauchen den Nachschub vom Flughafen, und wir wissen nicht, weshalb die Flugzeuge umgeleitet werden."

"Uns gehen die Vorräte aus."

Im Krankenhaus in Carrefour arbeiten die Mitarbeiter ebenfalls unter sehr schwierigen Bedingungen. Paul McMaster, ein Chirurg, berichtet von den Bedürfnissen: "Wir konnten die Ausstattung, die wir brauchen, wegen der Lieferprobleme noch nicht ins Krankenhaus bekommen. Uns gehen die Vorräte aus. Am Samstag fehlten uns ein bestimmtes Betäubungsmittel. Wir bekommen keinen Gips, um Brüche zu versorgen, zudem haben wir zurzeit keine Verbände. Es ist einfach ein Albtraum, diese grundlegenden Materialien zu erhalten."

In Martissant, einem weiteren Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen, wurden seit dem Erdbeben mehr als 1.500 Patienten behandelt. Derzeit befinden sich 120 Menschen in dem Krankenhaus, 20 von ihnen mit Verbrennungswunden. Außerdem versorgt Ärzte ohne Grenzen an sechs weiteren Orten Patienten mit ähnlichen, erdbebengbedingten Verletzungen. Eine der erst kürzlich wieder hergestellten Einrichtungen ist die Dialysestation des großen Allgemeinkrankenhauses von Port-au-Prince, wo Ärzte ohne Grenzen mit einer Dialysemaschine arbeitet, die das Beben unbeschadet überstanden hat. Nierenspezialisten von Ärzte ohne Grenzen führten gestern die erste Behandlung durch und werden die Aktivitäten ausweiten, sobald neue Dialysegeräte auf dem Landweg von der Dominikanischen Republik eintreffen.

Arbeit außerhalb von Port-au-Prince

Eine der am stärksten vom Erdbeben betroffenen Städte außerhalb von Port-au-Prince ist Leogane. Ein Team unterstützt dort eine Krankenpflegeschule, deren Mitarbeiter medizinische Hilfe leisten. In der gleichen Stadt bereitet ein weiteres Team von Ärzte ohne Grenzen vier chirurgische Stationen in einem ehemaligen Missionskrankenhaus vor, um ein Referenzzentrum für die Region zu schaffen. In Jacmel, einer anderen schwer getroffenen Stadt, hat ein weiteres Team damit begonnen, im OP des bestehenden Krankenhauses zu operieren. Parallel dazu wird am Aufbau des aufblasbaren Krankenhauses mit zwei weiteren OPs in Port-au-Prince gearbeitet. Für den Aufbau benötigtes Material und Mitarbeiter waren mit großer Verspätung eingetroffen, da ein Frachtflugzeug in die Dominikanische Republik umgeleitet worden war.