Sri Lanka

Tausende Vertriebene stürmen die Gesundheitseinrichtungen

1.900 Patienten werden zur Zeit im Krankenhaus in Vavuniya versorgt, dabei gibt es nur 450 Betten.

Während die Menschen in der srilankischen Hauptstadt Colombo das von der Regierung erklärte Ende des mehr als 25 Jahre andauernden Konflikts feiern, flüchten Tausende Menschen aus der ehemaligen Konfliktzone in die Region um die Stadt Vavuniya, die 250 Kilometer nördlich von Colombo liegt. Die Menschen benötigen dringend medizinische Hilfe. Sie sind traumatisiert und erschöpft, Hunderte von ihnen sind verletzt. Etwa 50.000 Menschen sind seit vergangenem Freitag, dem 16. Mai, in der Region um Vavuniya angekommen. Viele Tausend mehr werden in den kommenden Tagen erwartet.

„Obwohl Ärzte ohne Grenzen die Zahl der Mitarbeiter vor Ort erhöht hat, sind die Teams von dem plötzlichen Ansturm der Menschen überwältigt“, erklärte Katrien Coppens, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Amsterdam.

Teams von Ärzte ohne Grenzen versorgen seit Samstag gemeinsam mit Mitarbeitern des srilankischen Gesundheitsministeriums die Vertriebenen an dem Checkpoint, an dem sie die Konfliktzone verlassen. Die Mitarbeiter behandeln jeden Tag ungefähr 200 Schwerverletzte direkt vor Ort. Durchschnittlich zehntausend Menschen überqueren täglich diesen Checkpoint. Etwa 30 Prozent werden in das Krankenhaus in Vavuniya gebracht. Die Verbleibenden gehen in die Vertriebenenlager, in denen sie von Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums versorgt werden.

„Es ist sehr schwierig, die Patienten auszuwählen. Wir müssen uns aber auf die Schwerverletzten konzentrieren und können nicht alle leicht verwundeten Patienten behandeln”, sagte Coppens.

„Derzeit sind 1.900 Patienten im Krankenhaus in Vavuniya untergebracht, obwohl es nur 450 Betten hat. Viele von ihnen liegen auf Matratzen am Boden und in den Gängen. In den vergangen zwei Wochen hat die Zahl der neuen Patienten kontinuierlich abgenommen, doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm. Die medizinischen und humanitären Bedürfnisse sind immens”, sagte Coppens.

Ärzte ohne Grenzen versorgt die Vertriebenen in dem Lager Manik Farm außerhalb von Vavuniya mit Zusatznahrung. 23.000 Menschen sind dort in nur vier Tagen angekommen, und es werden noch viele mehr erwartet.

Außerdem errichtet Ärzte ohne Grenzen im Lager Manik Farm ein Notfallkrankenhaus mit 100 Betten und unterstützt das staatliche Krankenhaus in Pampaimadu, das ungefähr zehn Kilometer nordöstlich von Vavuniya liegt.