Tschad

Tausende Nigerianer suchen infolge der Angriffe von Boko Haram Schutz im Tschad

Ärzte ohne Grenzen arbeitet eng mit den lokalen Behörden zusammen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Unsere Teams verteilten bereits Hilfsgüter an rund 6.000 Menschen.

Tausende Menschen sind infolge der Angriffe von Boko Haram im Nordosten Nigerias über die Grenze in den Tschad geflohen, wo sie sich in einem Flüchtlingslager und unter der einheimischen Bevölkerung niedergelassen haben. Laut offiziellen Schätzungen haben rund 18.000 Flüchtlinge in der Region um den Tschadsee Schutz gesucht. Doch seit einem Angriff auf die Stadt Ngouboua, 25 Kilometer von der nigerianischen Grenze entfernt, ist auch die Lage innerhalb des Tschads angespannt. Tausende Einwohner und nigerianische Flüchtlinge haben in der Folge die Flucht ergriffen.

Ärzte ohne Grenzen hat deshalb ein Notfall-Team in das Gebiet entsandt, das die humanitären Bedürfnisse ermitteln soll. Dem Team gelang es, die größten Städte sowie das Flüchtlingslager Dar as Salam zu erreichen, das gegenwärtig rund 3.700 Menschen beherbergt. Doch wegen der unsicheren Lage waren mehrere kleine Inseln im See nicht erreichbar, wo zahlreiche Flüchtlinge festsitzen.

„Die Menschen leben unter prekären Bedingungen“, warnt Stéphanie Giandonato, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. „Die Tschader leiden ebenfalls unter der instabilen Lage; viele waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die nigerianischen Flüchtlinge ihrerseits kamen praktisch ohne Hab und Gut an. Die medizinischen Einrichtungen in den Dörfern sind wegen des Zustroms von tausenden Menschen in den vergangenen Monaten überlastet.“

Psychologische Betreuung und medizinische Versorgung

Psychologische Betreuung wird ein Schwerpunkt der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen sein. In den kommenden Tagen werden Psychologen den Menschen im Lager Dar as Salam, in Bogasola sowie in Ngouboua Einzel- und Gruppenkonsultationen anbieten. Auch Opfer sexueller Gewalt können psychologische und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

„Die Menschen haben große Angst nach den Angriffen zuerst in Nigeria, dann im Tschad“, fährt Giandonato fort. „Viele haben Familienangehörige verloren, sie fürchten sich und wissen nicht, wie es jetzt weitergeht.“

Da die Gesundheitseinrichtungen den großen Bedarf kaum abzudecken vermögen, hat Ärzte ohne Grenzen zudem das Gesundheitszentrum in Ngouboua mit Medikamenten und Bedarfsmaterial versorgt, das für 1.000 Patienten ausreicht. Diese Woche werden in den am stärksten betroffenen Gebieten Kliniken eingerichtet, die grundlegende medizinische Dienstleistungen anbieten.

Verteilung von Hilfsgütern

Gemeinsam mit den lokalen Behörden versorgten die Teams in Ngouboua, Bagasola und im nahegelegenen Forkouloum etwa 6.000 Menschen mit verschiedenen Hilfsgütern. Die verteilten Sets beinhalten Decken, Plastikplanen sowie Moskitonetze zum Schutz vor Malaria, die in dieser Region endemisch ist.

Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein großes Problem, insbesondere in Anbetracht der hohen Zahl von Durchfallerkrankungen in dieser Region. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen führte deshalb Informationsveranstaltungen zum Thema sauberes Wasser durch und verteilte den Flüchtlingen und Bewohnern in Ngouboua und Forkouloum Kits mit Kanistern und Chlortabletten zur Wasseraufbereitung.

Ärzte ohne Grenzen beobachtet die Entwicklung der Lage am Tschadsee genau und hält sich bereit, bei einem weiteren Zustrom die medizinischen Aktivitäten und Hilfsmaßnahmen weiter auszubauen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit mehr als 30 Jahren im Tschad tätig. Die Organisation führt langfristige Projekte in Abéché, Am Timan, Massakory, Moissala und Tissi durch. 2014 startete Ärzte ohne Grenzen außerdem Nothilfe-Projekte in Bokoro wegen außergewöhnlich hoher Raten akuter Mangelernährung sowie weitere Projekte in Sido und Gore im Süden Tschads zur Unterstützung der Flüchtlinge aus Zentralafrika.