Philippinen

Taifun Haiyan: Ärzte ohne Grenzen erreicht erstmals Gebiete im Zentrum der Verwüstung

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen behandelt Verletzte in Guiuan im Osten der Insel Samar. Die lokalen Krankenhäuser sind nicht funktionstüchtig, die meisten Gebäude in Guiuan sind zerstört.

Die Teams der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen haben am Mittwoch mit Autos, Booten, per Flugzeug und Hubschrauber erstmals einige jener Gebiete erreicht, die im Zentrum des Taifuns Haiyan lagen. Sie konnten das Ausmaß der Zerstörung und die dringendsten medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung im Norden der Insel Cebu, im Osten von Samar, auf der Insel Panay und im Westen der Provinz Leyte erheben. Zudem erreichte ein Team am Donnerstag mit dem Hubschrauber die Stadt Tacloban. In Guiuan hat ein Team damit begonnen, erste Patienten zu behandeln.

Die Verwüstungen sind enorm, und die Infrastruktur der Region ist größtenteils zerstört. Dadurch haben große Teile der Bevölkerung noch keine Nothilfe erhalten – vor allem auf den vorgelagerten Inseln, die bisher weder von der Regierung noch von internationalen Organisationen erreicht werden konnten. „Der Zugang zur Bevölkerung ist äußerst schwierig, die Situation hindert die Menschen daran, Hilfe zu bekommen“, erklärt Dr. Natasha Reyes, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen auf den Philippinen. „Für uns hat es Priorität, zu den Menschen in den abgelegenen Gebieten zu gelangen. Sie sind am schwierigsten zu erreichen, und oftmals erhalten sie die dringend benötigte Hilfe als letzte.

Per Hubschrauber ins Katastrophengebiet

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen hat per Flugzeug Guiuan erreicht, eine Stadt mit 45.000 Einwohnern im Osten der Insel Samar. Es ist eines der Gebiete, die als erstes vom Taifun getroffen wurden. „Der Schaden ist enorm. Die Situation hier ist düster“, berichtet Alexis Moens, Leiter des Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen. „Die Stadt wurde dem Erdboden gleich gemacht. Häuser, medizinische Einrichtungen, Reisfelder und Fischerboote – alles ist zerstört. Die Menschen leben im Freien; es gibt keine Dächer mehr in Guiuan. Die Bedürfnisse sind sehr groß, und es gibt viele umliegende Dörfer, die noch von keiner Hilfsorganisation erreicht wurden.“ Ein mehrköpfiges Team hat am Freitag mit der medizinischen Versorgung der Überlebenden begonnen. Priorität hat dabei die medizinische Versorgung von Verwundeten. Das Team wird auch sauberes Wasser und Notunterkünfte bereitstellen sowie Hilfsgüter verteilen.

Psychologische Hilfe wird dringend benötigt

„Ich habe heute einen Mann getroffen, der seine ganze Familie verloren hat“, sagt Moens. „Er wurde aufgenommen, weil er versucht hatte, sich mit einem Messer in die Brust zu stechen. Ähnliche Geschichten hören wir hier leider in vielen Orten. Es gibt Dörfer, die sehr viele Bewohner verloren haben. Psychologische Unterstützung wird dringend notwendig sein, damit die Menschen ihr Leben wieder aufbauen können.“

Ein weiteres Team von Ärzte ohne Grenzen hat per Hubschrauber die Insel Panay erreicht. Die Mitarbeiter schätzen, dass etwa 50 Prozent von Roxas-City zerstört wurden, einer Stadt in der Provinz Capiz. Weitere Erkundungen werden nun in den umliegenden Dörfern durchgeführt. Ein drittes Team ist derzeit in Ormoc, von wo aus es die Situation im Westen der Insel Leyte evaluieren wird.

Mehr als 100 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz

Im Norden der Insel Cebu hat ein viertes Team festgestellt, dass die meisten Menschen, die ihre Häuser verloren haben, offenbar Schutz bei anderen Familien und Gemeinden gefunden haben. Das örtliche Krankenhaus war nach dem Taifun stark überlastet, doch umliegende Gesundheitszentren und Krankenhäuser unterstützten mittlerweile die Einrichtung, die nun wieder relativ gut arbeitet. Das Team ist am Mittwoch per Fähre auf die Insel Bantayan weitergefahren und wird heute die Evaluierung der Situation fortsetzen.

Ärzte ohne Grenzen stockt die Hilfsmaßnahmen indes rasch auf und erhöht die Anzahl der Mitarbeiter im Katastrophengebiet in den kommenden Tagen auf mehr als 140 Ärzte, Krankenschwestern, Chirurgen, Logistiker, Psychologen und Wasser- und Sanitärexperten. 91 Mitarbeiter sind bereits vor Ort. Zehn Flugzeugladungen mit Hilfsgütern werden von mehreren Logistik-Zentren von Ärzte ohne Grenzen auf die Philippinen geschickt. Sie enthalten unter anderem medizinisches Material, Hygiene-Pakete, Material für Notunterkünfte sowie Ausrüstung für die Aufbereitung von Trinkwasser und Sanitär-Utensilien. Drei der Flugzeuge sind bereits am Mittwoch in Cebu gelandet.

Hinweis (25.11.2013): Wir bedanken uns herzlich für die große Unterstützung, die wir für unsere Nothilfe in den Philippinen nach dem Taifun Haiyan erhalten haben! Dank der weltweit großen Spendenbereitschaft ist die Finanzierung unserer Projekte dort bereits gesichert. Deshalb freuen wir uns, wenn Sie unsere Hilfe in rund 70 Ländern der Welt mit einer Spende ohne Zweckbindung weiterhin unterstützen. So machen Sie es möglich, dass wir schnell und flexibel dort helfen können, wo wir am meisten gebraucht werden.