Sri Lanka

Rund 150.000 Menschen noch immer inmitten schwerer Kämpfe eingeschlossen

Noch immer sind in der heftig umkämpften Region Vanni im Nordosten Sri Lankas rund 150.000 Zivilisten eingeschlossen. In den ersten zwei Märzwochen waren nur wenige Menschen in der Lage, aus der Region zu fliehen. Der Kontakt zu den Menschen in Vanni bleibt äußerst schwierig. Ärzte ohne Grenzen hat nach wie vor keinen direkten Zugang zu ihnen. Berichte von Entkommenen bestätigen aber, dass die Zivilbevölkerung weiterhin eingekesselt ist und jeder Fluchtversuch die Gefahr birgt, erschossen zu werden.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im staatlichen Krankenhaus der südlich von Vanni gelegenen Stadt Vavuniya. Dort wurden zwischen dem 11. Februar und 8. März insgesamt 953 verwundete und kranke Menschen eingewiesen. 584 benötigten einen chirurgischen Eingriff, fast alle (92 Prozent) wegen Verletzungen durch Gewalt. Die meisten hatten Wunden von Granatsplittern und Schüssen.

 

600 Menschen leben auf der Fläche eines Basketballfeldes

Knapp 34.000 Menschen haben es in den ersten beiden Monaten dieses Jahres geschafft, aus Vanni zu fliehen. Die meisten von ihnen leben in 13 Lagern in Vavuniya und rund 3.000 Menschen in Übergangslagern im Jaffna Distrikt.

In den Lagern in Vavuniya leben zwei oder drei Familien in einem Zelt oder teilen sich Räume in öffentlichen Gebäuden. Die Lager sind überfüllt: Es kommt vor, dass 600 Menschen auf der Fläche eines Basketballfeldes leben. Die Lager sind mit Stacheldraht umzäunt, und die Bewohner dürfen sie nicht verlassen oder mit denen anderer Lagern sprechen. Sie dürfen keine Besucher empfangen, und es kommt häufig vor, dass Familien auf verschiedene Lager verteilt und der Vater in einem, die Mutter in einem anderen sind.

In den Lagern gibt es keine Möglichkeit selber zu kochen. Die Bewohner sind auf die Gemeindeküchen angewiesen, in denen sie Essen bekommen. Wenn jemand krank wird, geht er zum staatlichen Gesundheitsdienst des jeweiligen Lagers und wird von dort, wenn nötig, in ein Krankenhaus überwiesen.

Ärzte ohne Grenzen betreibt in den Lagern ein Ernährungsprogramm für Kinder unter fünf Jahren, für Schwangere und stillende Mütter. Jeden Tag verteilen Mitarbeiter in 10 der 13 Lager Ergänzungsnahrung.

 

Viele haben Verwandte oder sogar ihre gesamte Familie verloren

Viele Lagerbewohner haben akute psychische Probleme, erhalten bislang aber noch keine Hilfe. Viele haben Verwandte oder sogar ihre gesamte Familie verloren. Sie haben keinen Kontakt zu denen, die sie in Vanni zurückgelassen haben und oft wissen sie noch nicht einmal, ob diese überhaupt noch leben. Neuankömmlinge werden im Lager sofort umringt, da jeder hofft, seine Lieben unter ihnen zu finden.

Einige leben schon seit Monaten in den Lagern. Viele sind auf der Suche nach einem sicheren Ort in Vanni selbst fünf oder sechs Mal umgezogen, bevor sie die Region verlassen konnten. In den Lagern gibt es keine Arbeit oder Schulen. Die Menschen haben nichts zu tun, sie können nur warten. Ihre Eigenständigkeit haben sie komplett verloren. Ihr Leben ist stehen geblieben. Stattdessen leben sie in ständiger Angst um die Sicherheit ihrer Angehörigen.

Ärzte ohne Grenzen plant, die Menschen in den Lagern psychologisch zu unterstützten. Über ein solches Programm wird derzeit mit den Behörden gesprochen.