Philippinen

Vier Wochen nach dem Taifun Haiyan – Ärzte ohne Grenzen erreicht immer noch Gebiete ohne Versorgung

Vier Wochen nach dem Taifun Haiyan erreicht Ärzte ohne Grenzen immer noch Gebiete auf den Philippinen, die bislang vollkommen von der Hilfe abgeschnitten waren. Den Familien dort gehen zum Teil die Essensvorräte aus, Ärzte ohne Grenzen versorgt sie mit Nahrungsmitteln und untersucht sie auf Mangelernährung. Die Teams sind bemüht, mehr Patienten in abgeschnittenen Gebieten zu erreichen. In Tacloban errichtete die Organisation ein aufblasbares Krankenhaus einschließlich einer Notaufnahme und Klinik mit 50 Betten. Mittlerweile sind rund 200 internationale Mitarbeiter auf den Philippinen im Einsatz.

Die Aktivitäten erstrecken sich über drei Inseln: Leyte, Panay und Samar. In den abgelegenen Regionen kommt allmählich mehr Hilfe an, doch auch vier Wochen nach der Katastrophe sind die Teams von Ärzte ohne Grenzen manchmal die ersten, die in bestimmten Dörfern ankommen. So erreichte Ärzte ohne Grenzen als erste medizinische Hilfsorganisation die Inseln Nabunut und Balbagon, östlich von Panay. Den Menschen dort gehen zum Teil die Vorräte aus; Ärzte ohne Grenzen wird deswegen rund 3.000 Familien mit Nahrungsmitteln versorgen. Auch im Nordwesten von Leyte hatten die Menschen in vielen Gemeinden seit dem Taifun noch keine Hilfe erhalten. Ärzte ohne Grenzen hat diese Region erkundet und mit 30 mobilen Kliniken bereits mehr als 1.600 Patienten behandelt, zum Beispiel in Ormoc, Jaro, Capoocan und Santa Fe. Die Teams testen die Menschen auch auf Mangelernährung, konnten bislang aber keine besorgniserregenden Werte feststellen.

Aufblasbares Krankenhaus in Tacloban errichtet

Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch philippinische Krankenhäuser und Gesundheitsposten: in Tacloban und Burauen (auf Leyte), Balasan (auf Panay) und Guiuan (auf Samar). Ziel ist es, dass diese so schnell wie möglich ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen können. Ärzte ohne Grenzen repariert zerstörte Gebäude und stellt Material, Medikamente und Personal bereit. Die Teams bringen zum Teil auch Kranke und Verletzte aus den Dörfern in die Krankenhäuser. In mehreren Städten hat Ärzte ohne Grenzen zudem provisorische Kliniken eingerichtet. Dazu gehört ein aufblasbares Krankenhaus in Tacloban, das vergangene Woche den Betrieb aufgenommen hat. In Burauen und Tanauan (auf Leyte) und in Guiuan (auf Samar) hat die Organistion Zeltkrankenhäuser errichtet.

Weil viele Menschen alles verloren haben, verteilt Ärzte ohne Grenzen Hilfsgüter wie Zelte, Kochgeschirr, Seife, Handtücher und Decken. Die Teams stellen auch sauberes Trinkwasser bereit und verteilen Werkzeug wie Sägen, Hammer und Nägel, damit die Menschen ihre Häuser wieder aufbauen können. Auch Psychologen sind in der Region im Einsatz. Sie helfen den Patienten in Einzel- und Gruppensitzungen dabei, ihre Erlebnisse während der Katastrophe zu verarbeiten.

Aufbau provisorischer Kliniken

Auf der Insel Leyte betreibt Ärzte ohne Grenzen ein aufblasbares Krankenhaus in Tacloban, einschließlich einer Notaufnahme und einer Klinik mit 50 Betten. In der Notaufnahme behandeln die Teams derzeit rund 35 Patienten am Tag. Seit dem 23. November haben sie zudem 60 Operationen durchgeführt, darunter Eingriffe für die Wundversorgung und Kaiserschnitte. Das aufblasbare Krankenhaus wird die wichtigste Anlaufstelle für Patienten in der Region bleiben, bis die staatlichen Krankenhäuser ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen können. Darüber hinaus betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Zeltkrankenhaus im Distrikt Burauen. Auf der Insel Samar haben die Teams ein Zeltkrankenhaus in Guiuan errichtet. Dort begleiten sie jeden Tag bis zu vier Geburten und führen rund 400 Untersuchungen sowie 80 leichte chirurgische Eingriffe durch.

Mobile Kliniken in entlegenen Gebieten

Auf Leyte sind mobile Kliniken rund um die Städte Ormoc, Burauen und Tacloban im Einsatz. Auf Panay fahren drei mobile Teams mit Booten entlegene Inseln an, drei weitere versorgen die Menschen im Landesinneren; insgesamt haben sie bereits mehr als 4.500 Untersuchungen durchgeführt. Auf Samar versorgt ein mobiles medizinisches Team die Menschen in ländlichen Gebieten, ein weiteres fährt mit dem Boot entlegene Inseln an.

Hilfsgüter-Verteilungen

In Talosa und Tanauan sowie in Dörfern rund um Ormoc und Santa Fe hat Ärzte ohne Grenzen auf der Insel Leyte rund 3.500 Familien mit Hilfsgütern versorgt. In der Gebirgsregion jenseits von Burauen haben rund 1.000 Familien Hilfsgüter erhalten. Zudem verteilen die Teams Plastikplanen und Decken an 2.000 Familien, deren Häuser vollständig zerstört wurden, zum Beispiel rund um Santa Fe. Auf Panay hat Ärzte ohne Grenzen Zeltplanen, Kochgeschirr und Werkzeug an mehr als 10.000 Familien auf entlegenen Inseln im Osten verteilt. Auf Samar wurden bislang mehr als 4.800 Kits und 1.480 Zelte ausgegeben.

Bereitstellung von sauberem Trinkwasser

Alleine vergangene Woche hat Ärzte ohne Grenzen 150.000 Liter Trinwasser auf der Insel Leyte bereitgestellt. In ländlichen Regionen verteilen die Teams dort außerdem Chortabletten für die Wasserreinigung. Auf Samar versorgen die Teams derzeit rund 20.000 Menschen am Tag mit Wasser; diese Hilfe soll weiter ausgeweitet werden. Die Mitarbeiter reinigen auch Brunnen in Dörfern entlang der Küste: Der Sturm hatte dort die Trinkwasserreserven mit Meerwasser überspült.

Psychologische Hilfe

Auf Leyte leistet Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe im Krankenhaus von Tacloban sowie mit mobilen Kliniken rund um die Städte Julita und Tabontabon. Auf Panay haben bis heute fast 500 Menschen psychologische Einzel- bzw. Gruppensitzungen besucht. Auf der Insel Samar ist ein Team von drei Psychologen im Einsatz.

Wir bedanken uns herzlich für die große Unterstützung, die wir für unsere Nothilfe in den Philippinen nach dem Taifun Haiyan erhalten haben! Dank der weltweit großen Spendenbereitschaft ist die Finanzierung unserer Projekte dort bereits gesichert. Deshalb freuen wir uns, wenn Sie unsere Hilfe in rund 70 Ländern der Welt mit einer Spende ohne Zweckbindung weiterhin unterstützen. So machen Sie es möglich, dass wir schnell und flexibel dort helfen können, wo wir am meisten gebraucht werden.