GlaxoSmithKline kündigt Patent-Pool an - Ärzte ohne Grenzen: Wichtiger Schritt in die richtige Richtung, doch er geht nicht weit genug

Patent-Pool

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat am Samstag in einem Bericht der Zeitung „The Guardian“ bekannt gegeben, er wolle billigere Medikamente für arme Länder anbieten. Zudem sollten einige Patente in einem Pool für andere Forscher zugänglich gemacht werden.

Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, meint dazu:

“GlaxoSmithKline zeigt mit diesem Statement, dass das Unternehmen die Barrierefunktion von Patenten auf lebensnotwendige Medikamente vor allem in den armen Ländern erkannt hat. Die Forschung und Entwicklung von effektiven und anwendbaren Medikamenten, vor allem für vernachlässigte Krankheiten, wird schon seit Jahren durch ein undurchdringliches Patentgeflecht unnötig erschwert. Ein Patent-Pool ist eine ausgesprochen sinnvolle Möglichkeit, den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten zu erleichtern. Einerseits dadurch, dass Patente für Forschung und Entwicklung freigegeben werden und andererseits indem die generische Produktion patentgeschützter Medikamenten ermöglicht wird. GlaxoSmithKline hat sich jetzt positiv zur Ermöglichung der Forschung geäußert, lässt aber die Frage der generischen Produktion bestehender, patentierter Medikamente außen vor.

Auch an anderen Punkten geht die Ankündigung von GlaxoSmithKline nicht weit genug, denn:

  • Forschung allein garantiert nicht, dass Kranke in armen Ländern Behandlung erhalten. Damit die Menschen Zugang zu Medikamenten haben, müssen diese auch bezahlbar sein. Der angekündigte Preisnachlass von 75 Prozent für alle Medikamente in den 50 ärmsten Ländern ist jedoch nicht ausreichend. Viele Menschen in armen Ländern verdienen weniger als einen US-Dollar täglich. Für sie bleibt auch ein um drei Viertel des Preises reduziertes Medikament unerschwinglich. Außerdem gelten für viele Medikamente heute schon größere Preisnachlässe.
  • Viel effektiver als ein Preisnachlass wäre, wenn GlaxoSmithKline und andere Pharmaunternehmen endlich den Wettbewerb mit generischen Medikamenten zulassen würden, wodurch die Preise in vielen Fällen um bis zu 99 Prozent fallen könnten.
  • Der Preisnachlass gilt außerdem nur für die 50 ärmsten Länder, wodurch eine große Zahl von Ländern, wie zum Beispiel Indien und Brasilien, in denen sich Kranke die Medikamente ebenfalls nicht leisten können, durch das Raster fallen.
  • GlaxoSmithKline schließt Aids-Medikamente explizit aus dem Pool aus. Doch HIV/Aids ist nach wie vor eine vernachlässigte Krankheit. Es werden dringend neue Kombinationspräparate und spezielle Darreichungsformen für Kinder gebraucht. Würden die entsprechenden Aids-Medikamente in einen Patent-Pool eingebracht, wäre die Entwicklung dieser Präparate möglich.

Dennoch ist die Ankündigung von GlaxoSmithKline ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt zu hoffen, dass nun endlich ein Umdenken in der Pharmabranche stattfindet und die oft tödliche Wirkung von Medikamentenpatenten ernster genommen wird.”