Sri Lanka

Operieren im Kampfgebiet - Swantje Petersen hat vier Monate lang "Ärzte ohne Grenzen" in Sri Lanka unterstützt

Die Bremer Ärztin Swantje Petersen war vier Monate für Ärzte ohne Grenzen in Sri Lanka.

Von Alexander Tieg

BREMEN. Swantje Petersen sitzt in ihrer Wohnung an einem großen Holztisch. Vor ihr ein Glas Wasser, um sie herum viele Vasen und Souvenirs. Swantje Petersen ist Ärztin, eine Ärztin ohne Grenzen. Vier Monate unterstützte die Bremerin die 'Ärzte ohne Grenzen' im Kriegsgebiet Sri Lankas.

Sri Lankas Norden ist Kampfzone. Es herrscht Krieg zwischen den Regierungstruppen und den Tamilen, die für die Unabhängigkeit des Nordens kämpfen. Direkt hinter der Front, 13 Kilometer südlich, liegt die Stadt Vavuniya, etwas größer als Bremerhaven. Vor Ort unterstützt "Ärzte ohne Grenzen" die einheimischen Mediziner eines Krankenhauses. Swantje Petersen, Fachärztin für Allgemeinchirurgie, behandelte dort von Januar bis April kleine Blessuren und lebensbedrohliche Verletzungen.

"Schon zu Studienzeiten hat mich humanitäre Arbeit sehr interessiert", begründet die 33-Jährige ihre Entscheidung, mit 'Ärzte ohne Grenzen' nach Sri Lanka zu fliegen. "Mit den Zielen und der Theorie, die hinter 'Ärzte ohne Grenzen' steht, habe ich mich sehr stark identifizieren können."

Nachdem Swantje Petersen das Projekt auf der südlich von Indien gelegenen Insel angeboten wurde, zögerte sie nicht und sagte zu. Vor Ort arbeitete sie zusammen mit einem weiteren Chirurgen, einer philippinischen Anästhesistin und srilankischen Assistenzärzten. Ein Projektleiter sorgte für die nötige Sicherheit der ausländischen Mediziner. "T-Shirts mit dem Aufdruck 'Médecins sans Frontières' hatten wir immer an, genauso wie unsere Autos gekennzeichnet waren", sagt Petersen. Passiert sei nie etwas - die Menschen hätten sie akzeptiert und waren froh ob der medizinischen Hilfe.

"Die Arbeit vor Ort ist nicht vergleichbar, mit der in deutschen Krankenhäusern", sagt die Ärztin. Auch nicht die Fälle. Swantje Petersen erinnert sich an eine Situation, als ein junger Soldat mit einem Bauchschuss eingeliefert wurde und starb: "Der war erst 18 Jahre alt, und seine Kameraden waren auch erst 18. Und diese Augen, als wir ihnen gesagt haben, dass er tot ist." Schusswunden und abgerissene Gliedmaßen - Sri Lanka ist Kriegsgebiet, die Verletzungen zeigen es deutlich. "Bei einem Luftangriff wurden eine Mutter und ihr zwölfjähriger Sohn verletzt", erzählt Petersen. Beide verloren Teile ihrer Hände.

Nach vier Monaten im südasiatischen Krisengebiet setzt Swantje Petersen wieder in ihrer Wohnung in Bremen. Demnächst tritt sie eine Stelle in einem Bremer Hospiz an. Dass sie noch einmal für 'Ärzte ohne Grenzen' ins Ausland geht, steht für sie fest. Nicht des Geldes wegen - der Verdienst von 600 Euro im Monat ist eher ein symbolischer. Aber die junge Ärztin kennt nun die Ängste und Nöte von Menschen in Kriegsgebieten. "Ich habe viel gelernt, auch auf chirurgischem Gebiet. Doch vor allem weiß ich jetzt, was es heißt, im Bürgerkrieg zu sein."

Bis zu ihrem nächsten Einsatz bleibt Swantje Petersen erst einmal die srilankische Flagge an der Wand und das Wissen, geholfen zu haben. Eine Ärztin - ohne Grenzen.