Demokratische Republik Kongo

"Nur die Frontlinien ändern sich, nicht aber der Konflikt" - Bericht aus Goma

Elke Felleisen ist gerade aus Goma zurückgekehrt. In den vergangenen zehn Monaten hat sie als medizinische Koordinatorin in der umkämpften Kivu-Region gearbeitet, im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Ihr Projekteinsatz ist beendet, der Konflikt aber hält an.

"Es ist mir nicht leicht gefallen, meinen Einsatz zu beenden. Denn zeitgleich hat die Gewalt in der Kivu-Region zugenommen. Was wir allerdings in diesen Tagen in und um Goma herum beobachten, ist nicht neu für uns. Vertreibungen in großem Umfang und anhaltende Gewalt sind im Kongo traurige Wirklichkeit geworden. Nur die Frontlinien ändern sich, nicht aber der Konflikt. Er dauert nun schon länger als 15 Jahre. Genauso lange hält die Tragödie der Menschen an, die in diesem Konfliktgebiet leben", so Elke Felleisen.

Die jüngste Zunahme der Gewalt zeigt nur, wie dringend in der Region gehandelt werden muss, in der Elke und ihr Team täglich die Opfer des Konflikts versorgen.

Lebensbedingungen sind katastrophal

"In Kitchanga", erklärt sie, "haben wir Gesundheitsposten außerhalb von zwei Vertriebenencamps eröffnet. Wir bieten dort basismedizinische Versorgung an. Die Lebensbedingungen innerhalb der Camps sind katastrophal. Kitchanga liegt sehr hoch in den Bergen. Es regnet dort täglich und wird ziemlich kalt. Die Menschen bauen sich kleine Hütten aus Bananenblättern. Nur wenige haben das Glück, sie mit Plastikplanen schützen zu können. Der Boden ist steinig und uneben, und die meisten haben nur die Kleidung, die sie am Leib tragen."

Das größte Problem ist aber, dass es zu wenig Trinkwasser und Sanitäreinrichtungen gibt. Regelmäßig brechen daher Epidemien aus. 2008 haben die Mitarbeiter bereits mehr als 2.000 Cholera-Patienten behandelt. Um Seuchen zu verhindern, sind Gesundheits- und Hygieneaufklärung wichtig, aber auch Masernimpfungen für Neuankömmlinge. "Wir sehen täglich in beiden Lagern 100 bis 200 Patienten. Glücklicherweise haben wir großartige kongolesische Mitarbeiter. Trotzdem ist es unglaublich schwierig. Es gibt so viel zu tun. Aber uns fehlen Partner, die sich um Trinkwasser, Sanitäranlagen und Ernährung kümmern", so Elke Felleisen.

Leben in ständiger Angst

"Die Menschen in der Kivu-Region leben in ständiger Angst. Tausende wurden bereits vor Jahren vertrieben. Die jüngsten Kämpfe haben damit nichts zu tun. An vielen Orten fürchten sich die Menschen aber noch immer, in ihre Dörfer zurückzukehren. Nicht wenige sind sogar mehrfach geflohen.

Und immer nehmen sie nur das mit, was sie tragen können.", erklärt die Koordinatorin. "In einem Ort sind die Menschen sogar aus dem Krankenhaus geflohen, weil sie sich dort nicht sicher fühlten. Das ist empörend. Es zeigt, wie tief die Angst sitzt und wie sie die Menschen in der Kivu-Region belastet. Hinzu kommt, dass die ständige Unsicherheit den Zugang zu medizinischen Einrichtungen unglaublich erschwert. Wer Schüsse in den Straßen hört, überlegt sich natürlich zwei Mal, ob er das Risiko eingeht, ein Gesundheitszentrum aufzusuchen."

Elkes Felleisens Projekt deckt das Gebiet zwischen Goma und Saké ab, einschließlich Kitchanga und Mweso. Ärzte ohne Grenzen versucht hier, den Bedürftigen durch ländliche Gesundheitsposten und mobile Kliniken zu helfen.