Kamerun

Nothilfe für Flüchtlinge aus dem Tschad

Die Ärztin Véronique Urbaniak ist für den Noteinsatz von Ärzte ohne Grenzen in Kousseri im Norden Kameruns verantwortlich, wo seit dem 2. Februar 2008 Zehntausende Bewohner der tschadischen Hauptstadt N'Djamena Zuflucht gesucht haben. Sie bestätigt, dass die Hilfe von den Flüchtlingen bereits dringend erwartet wurde.

"Am Morgen des 7. Februars traf ich mit einem medizinischen Team, bestehend aus 2 Ärzten, 2 Krankenschwestern und 5 Logistikern, in Kousseri ein. Die Anreise per Auto von Garoua, der nächstgelegenen Stadt in Kamerun, die über eine geeignete Landepiste für Frachtflugzeuge verfügt, dauerte mehr als einen Tag. Kousseri liegt genau gegenüber von N'Djamena, am südlichen Ufer des Flusses Logone.

Zehntausende Menschen aus dem Tschad - genaue Zahlen lassen sich derzeit schwer feststellen - sind in den Tagen zuvor aus N'Djamena hierher geflüchtet. Die Bevölkerung von Kousseri, einer Stadt mit ungefähr 100.000 Einwohnern, ist damit stark angestiegen. Die kamerunischen Behörden und die Bevölkerung reagierten mit großer Hilfsbereitschaft und erleichterten dadurch unseren Hilfseinsatz, was ich an dieser Stelle besonders unterstreichen möchte. Vertreter des kamerunischen Gesundheitsministeriums sind außerdem heute hier eingetroffen, um eine Evaluation der Situation vorzunehmen.

Schutzlose Flüchtlinge

Als wir hier ankamen, waren die Flüchtlinge hauptsächlich an zwei Orten versammelt: Eine Gruppe von rund 7.000 Menschen fand an der Peripherie der Stadt in Schulen, Kirchen und Tempeln Zuflucht, während sich eine zweite, größere Gruppe von etwa 30.000 Menschen nahe der Brücke, die nach N'Djamena führt, niedergelassen hatte. An dieser Stelle, in Madana, waren die Menschen ohne jeden Schutz der prallen Sonne ausgeliefert und hatten keinerlei Zugang zu Hilfe.

ach einer schnellen Evaluierung hat unser Team noch am selben Tag eine Anlaufstelle für medizinische Notfälle eingerichtet. Nach kurzer Zeit empfingen wir mehrere Malaria-Patienten, wovon einige an einer schweren Form der Krankheit litten. Es kamen auch Kinder und Erwachsene mit Dehydrierungserscheinungen und Durchfallerkrankungen, andere mit Atemwegsinfektionen. Die Nächte im Norden Kameruns sind um diese Jahreszeit sehr kalt und die Menschen hatten nichts, um sich vor der Kälte zu schützen. Am darauf folgenden Tag richteten wir eine zweite Gesundheitsstation in einem Gebäude der Stadtverwaltung in Cetic ein, um auch für die Flüchtlinge im anderen Teil der Stadt medizinische Hilfe zu leisten.

a noch keine Registrierung der Flüchtlinge durch das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) stattfand, können wir die Zahl der Behandlungen nicht ins Verhältnis zu der Gesamtzahl der Flüchtlinge setzen. Die medizinischen Konsultationen - derzeit rund 70 pro Tag in jeder der beiden Gesundheitsstationen - nehmen jedoch zu.
Parallel zur Arbeit des medizinischen Teams arbeiteten unsere Logistiker an der Herstellung einer Trinkwasserversorgung an zwei Stellen, was bereits dringend notwendig war.

Unsicherheit über die Entwicklung der nächsten Tage

Während bereits vergangenen Donnerstagmorgen beruhigende Nachrichten über die Sicherheitslage in der tschadischen Hauptstadt zirkulierten, herrschte unter den Flüchtlingen Misstrauen gegenüber der weiteren Entwicklung der Situation. Die Rückkehrbewegungen nach N'Djamena waren meinen eigenen Beobachtungen zufolge am Donnerstag noch gering. Und das, obwohl sich die Flüchtlinge in einer prekären Lage befanden: Sie hatten bis zu dem Zeitpunkt keinerlei Unterstützung erhalten, befanden sich aber bereits seit vergangenem Wochenende in Madana.

Später beobachteten wir eine leichte Rückkehrbewegung in den Tschad. Die Flüchtlinge begründeten diese mit der fehlende Nahrungsmittelhilfe in Kamerun. Derzeit sind die Flüchtlingsströme in beiden Richtungen schwächer, und die Anzahl der Flüchtlinge ohne Unterkunft liegt nun konstant bei etwa 30.000. Andere Flüchtlinge, die bei Familien und in Hotels untergekommen sind, machen etwa 20.000 aus. Diese Zahl muss erst vom UNHCR bestätigt werden, das derzeit vor Ort mit der Vorbereitung einer Verlegung der Flüchtlinge in ein oder zwei, etwa 30 km entfernte Flüchtlingslager beschäftigt ist.

Verstärkung der Teams von Ärzte ohne Grenzen

Unsere dringendsten Aufgaben, die Errichtung medizinischer Anlaufstellen und die Wasserversorgung, sind nun erfüllt. Wir planen jetzt weitere Aktivitäten: Anfang dieser Woche werden wir Hilfsgüter des täglichen Bedarfs, Decken, Moskitonetze und Wasserkrüge verteilen und mit einer Masern-Impfkampagne für die Flüchtlinge in Madana beginnen. Wir bereiten uns darauf vor, bis zu 30.000 Kinder und Jugendliche zu impfen. Zwei Krankenschwestern von Ärzte ohne Grenzen werden uns demnächst verstärken. Wir werden damit insgesamt acht Impfteams sein. Unicef wird sich um den anderen Teil der Flüchtlinge in der Stadt kümmern.

Es ist wichtig, die Impfungen so schnell wie möglich durchzuführen, da das UNHCR in wenigen Tagen mit der Verlegung der Flüchtlinge in zwei Camps außerhalb der Stadt, in Maltam, beginnen wird.

Derzeit ist es uns unmöglich vorauszusagen, wie viele der Flüchtlinge in diese Camps übersiedeln werden. Die Entwicklung der Situation auf der anderen Seite der Grenze wird mit Sicherheit großen Einfluss auf die Entscheidung der Flüchtlinge haben.