Indonesien

Nach dem Erdbeben muss die Hilfe aufgestockt werden

Vor einem Behelfszelt am Krankenhaus von Bengkulu

Eine Woche nach den beiden schweren Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra haben die Hilfslieferungen noch immer nicht in ausreichendem Maß die betroffenen ländlichen Gebiete erreicht. Zu dieser Einschätzung kommt Ärzte ohne Grenzen. Mitarbeiter der Organisation verteilen Material und unterstützen Betroffene mit medizinischer, aber auch mit psychologischer Hilfe.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben den Bedarf in den Städten Padang und Bengkulu, im Westen Sumatras, untersucht. Ihre Hilfe konzentriert sich zurzeit auf die Bevölkerung, die entlang der Küste zwischen den beiden Provinzhauptstädten liegt. Drei Teams, die jeweils aus einem Arzt, Psychologen, Logistiker und einer Krankenschwester bestehen, arbeiten bereits im Süden der Provinz Padang sowie in der kleinen Küstenstadt Muko Muko, die am schwersten von dem Erdbeben betroffen ist.

Die Mitarbeiter haben Decken und Plastikplanen sowie Hygienematerial verteilt. Außerdem betreuen sie mobile Kliniken. Dem medizinischen Koordinator Oscar Bernal zufolge ist der Bedarf jedoch so groß, dass auch andere Hilfsorganisationen dringend aktiv werden müssen.

"In den Städten wurde schnell Hilfe organisiert, aber in den ländlichen Regionen sieht es ganz anders aus. Die Menschen leben entweder in Lagern oder schlafen im Freien. Sie haben zu wenig sauberes Wasser und es fehlt an Decken sowie Nahrungsmitteln. Die Hilfe kommt einfach zu langsam hier an", betont Oscar Bernal.

Die Menschen sind so verzweifelt, dass sie nicht immer auf offizielle Hilfe warten. So haben Dorfbewohner zwei Lastwagen von Ärzte ohne Grenzen auf dem Weg nach Muko Muko gestoppt und die Hilfslieferungen entwendet. "Verständlicherweise waren diese Menschen sehr wütend, denn sie haben tagelang vergeblich auf Hilfe gewartet", erklärt Oscar Bernal.

Die psychologische Betreuung der Menschen in der Erdbebenregion ist eine weitere Priorität von Ärzte ohne Grenzen. Die anhaltenden Nachbeben lösen starke Ängste bei den Überlebenden aus. Ein Team von acht Psychologen klärt die Bevölkerung über Traumasymptome auf und behandelt Betroffene. Dafür gehen die Mitarbeiter unter anderem in die Schulen und in die Vertriebenenlager.

"Viele Menschen sind noch traumatisiert. Wir helfen ihnen mit Übungen, besser mit dem Stress zurecht zu kommen und ihre Ängste zu überwinden, so dass sie ihr normales Leben wieder aufnehmen können", erklärt Oscar Bernal.