Haiti

Nach Ausschreitungen versorgt Ärzte ohne Grenzen Verwundete

Vom 7. bis 10. April 2008 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 160 Verwundete in den Krankenhäusern der haitianischen Hauptstadt Port au Prince behandelt. 44 davon wegen Schussverletzungen. Die meisten Patienten wurden während der aktuellen Demonstrationen verwundet, bei denen die Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten protestieren. Insbesondere die Preise für Grundnahrungsmittel steigen in Haiti derzeit sprunghaft an.

"Allein am 8. April haben wir 25 Patienten im Krankenhaus Trinité behandelt, 14 von ihnen kamen mit Schusswunden", sagt Projektkoordinatorin Guenaele Rota. "Zwei dieser Patienten hatten Wunden durch Messerstiche, neun wurden geschlagen und eine Person litt unter Verbrennungen. Sechs Verletzte mussten sofort chirurgisch behandelt werden."

Obwohl Haiti im Jahr 2007 eine fragile Stabilität erlebte, gibt es bislang nur wenige medizinische Einrichtungen in Port au Prince, in denen Verletzte notversorgt werden können. Durch die Demonstrationen kam auch deren Betrieb praktisch zum Erliegen.

Die Barrikaden der Demonstranten haben außerdem den öffentlichen Verkehr in der Hauptstadt für drei Tage lahm gelegt. Gleichzeitig streikten die Lastwagenfahrer wegen der gestiegenen Benzinkosten und behindern so den Verkehr. Am Donnerstag, dem 10. April war es wieder leichter, sich durch die Stadt zu bewegen.

"Seit Montag sorgen wir mit mehreren Krankenwagen dafür, verletzte Patienten vom Stadtzentrum, insbesondere vom "Champs du Mars", in die Krankenhäuser zu bringen", so Jessica Neerkorn, Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. Seit Donnerstag ist die Lage in Port au Prince ruhiger. Ärzte ohne Grenzen behandelt aber weiterhin Verletzte.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1991 in Haiti. Zurzeit betreuen die Teams in Port au Prince vier Gesundheitszentren. Im Krankenhaus Trinité stellen sie die Notversorgung von Verletzten sicher. Seit 2004 wurden hier mehr als 8.000 Gewaltopfer behandelt. Im Pacot-Distrikt bieten die Mitarbeiter postoperative Therapie in einem 48-Betten-Gesundheitszentrum. Außerdem werden hier Opfer sexueller Gewalt betreut. Im 60-Betten-Krankenhaus Jude-Anne, das seit März 2006 geöffnet ist, wurden bislang 18.000 Schwangere betreut. Im Armenviertel Martissant betreuen die Teams ein Gesundheitszentrum sowie mehrere mobile Kliniken. Seit Dezember 2006 wurden in diesem Zentrum mehr als 200 Patienten mit Schusswunden versorgt.