Thailand

In Myanmar verfolgt, in Thailand ausgebeutet - Hilfe für birmesische Migranten

Maung Tan Win und Ma Khin Hla sind Flüchtlinge aus Myanmar.

Wer an Thailand denkt, denkt meist an schöne Hotelanlagen und weiße Sandstrände. Für die Flüchtlinge aus Myanmar (Birma), die in dem Land Zuflucht vor Verfolgung, Gewalt und Zwangsarbeit suchen, ist Thailand jedoch kein Platz der Erholung. Sie arbeiten hart am Wiederaufbau luxuriöser Ferienanlagen, Hotels und Massagezentren, um die vom Tsunami verwüstete Region für den Tourismus wieder attraktiv zu machen. Doch die grundlegendsten Rechte, wie das Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung, bleiben den meisten verwehrt.

Die Lager, in denen die birmesischen Migranten leben, finden sich im ganzen Land. So auch in Phang Nga, einer an den Touristenort Phuket angrenzenden Provinz im Süden Thailands, die vom Tsunami im Dezember 2004 hart getroffen wurde. Die meisten Migranten arbeiten in der Fischerei oder auf Baustellen. Es werden Arbeitskräfte gebraucht, um die Infrastruktur unter anderem für den Tourismus wieder aufzubauen. Andere Flüchtlinge arbeiten in der bergigen Region auf Kautschukplantagen.

Die Migranten bilden das Rückrad der schlecht bezahlten Arbeiterschaft. Doch die wenigsten erhalten offizielle Papiere, die ihnen einen legalen Status im Land gewähren und ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglichen würden.

Die offizielle Zahl der Migranten in Phang Nga ist seit Ende 2004 zwar von 31.000 auf 14.500 im Jahr 2007 gesunken. Doch tatsächlich leben aus Mangel an Informationen und wegen eines komplexen Registrierungsprozesses Hunderttausende in der Illegalität - und in ständiger Angst vor Verfolgung.

Vom Gesundheitssystem ausgeschlossen

Ohne gültige Papiere sind die Flüchtlinge vom thailändischen Gesundheitssystem ausgeschlossen. Sie haben nicht einmal Zugang zur Basisgesundheitsversorgung. Um überhaupt behandelt zu werden, müssen sie Gebühren zahlen, die sie meist nicht aufbringen können. Hinzu kommt, dass sie wegen der Sprachprobleme und fehlender Informationen über das Angebot meist gar nicht erst ins Krankenhaus gehen. Dies trifft allerdings auch für die legalen Migranten zu.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Regierungskrankenhaus und Gesundheitsstationen in Phang Nga mit Übersetzungen für Flüchtlinge aus Myanmar, mit vorgeburtlicher Vorsorge, Impfungen und einem psychosozialem Angebot.

Zu den Patienten des Takuapa Krankenhauses gehören auch Maung Tan Win und Ma Khin Hla. Maung und seine Familie wurden in Myanmar Verbindungen zu einer oppositionellen Partei vorgeworfen. Sie flüchteten vor neun Jahren auf der Suche nach einem besseren Leben nach Thailand. Vor einem Jahr traf Maung hier Ma, die ebenfalls aus Myanmar stammt und in Thailand ohne Papiere auf Baustellen arbeitet.

Während einer Schwangerschaft wurde festgestellt, dass Ma HIV-positiv ist. Bis dahin wusste sie wenig über die Krankheit. Nach einem Gespräch mit den Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen erhielt sie kostenlos Medikamente, die eine Ansteckung des Kindes verhindern sollen. Das Lager in dem Ma und Maung leben, liegt in einer abgelegenen Gegend. Von dort ist es für eine Schwangere schwierig, für Untersuchungen ins Krankenhaus zu fahren. Vor allem während der Regenzeit, in der die Straßen häufig unpassierbar sind. Außerdem kann das Paar den Transport kaum bezahlen.

Ärzte ohne Grenzen hat daher in den Lagern Gesundheitsposten zur Basisgesundheitsversorgung eingerichtet. Außerdem unterstützen die Mitarbeiter Gesundheitszentren und arbeiten mit mobilen Kliniken in den Bergen. Logistiker helfen dabei, Latrinen und Wasserleitungen bereitzustellen, um die Hygiene in den Lagern zu verbessern.

Viele suchen erst Hilfe, wenn Gesundheitszustand bereits sehr schlecht ist

Die birmesischen Migranten in Thailand leiden unter Krankheiten wie Erkältungen, Atemwegsinfektionen, Durchfall, Gastritis, Tuberkulose und Dengue-Fieber. "Sie haben keine Gesundheitskarte. Sie haben keine Transportmittel. Sie haben Angst, von der Polizei aufgegriffen zu werden. Wegen Sprachproblemen können sie sich dem medizinischen Personal nicht verständlich machen", beschreibt Thet Lyar Myint, eine Ärztin aus Myanmar, die in Phang Nga im Projekt arbeitet.

Viele suchen daher medizinische Hilfe erst dann, wenn ihr Gesundheitszustand bereits sehr schlecht ist. Die Raten der mit Tuberkulose und HIV Infizierten sind unter den Migranten höher als unter der thailändischen Bevölkerung. Die Migranten brauchen dringend bessere medizinische Versorgung.

Seit dem Tsunami 2004 wurde in Phang Nga viel gebaut. Migranten aus Myanmar arbeiten hart, um diese Region für den Tourismus wieder attraktiv zu machen. Für vier bis sechs US-Dollar Tageslohn tragen sie zur wirtschaftlichen Erholung von Phang Nga bei - doch die grundlegendsten Rechte, wie das Recht auf Zugang zu medizinischer Versorgung, bleiben ihnen verwehrt.