Humanitäre Hilfe nur sehr eingeschränkt möglich

Myanmar

Seit die Militärjunta 1962 an die Macht gelangte, sind die Menschen in Myanmar (dem früheren Birma) von der Außenwelt praktisch isoliert und leiden noch immer unter den Folgen von Unterdrückung und Vernachlässigung. Auch wenn das harte Vorgehen der Regierung gegen die Mönche, die im September 2007 für mehr Demokratie auf die Straße gingen, für Aufmerksamkeit in der Weltöffentlichkeit sorgte: Das alltägliche Leid der Bevölkerung blieb und bleibt weitgehend unbeleuchtet. Trotz eines erschreckend hohen Anteils an Malaria-Kranken und HIV-Infizierten erhält die in bitterer Armut lebende Bevölkerung so gut wie keine staatliche Unterstützung: Das Regime sieht gerade einmal 1,4 Prozent des Haushalts für Gesundheitsleistungen vor.

Trotz eines riesigen Bedarfs an Hilfe engagieren sich nur wenige humanitäre Organisationen im Land. Diejenigen, die vor Ort sind, haben es äußerst schwer, unabhängig und unparteiisch zu handeln. Auch zögern Geberländer und -organisationen häufig, Programme zu finanzieren, die letztlich das Regime unterstützen könnten. Bürokratische und zeitraubende Visa-Bestimmungen erschweren das Reisen im Land erheblich, was Notfallhilfe unmöglich machen kann und das Einschätzen des tatsächlichen Hilfebedarfs erschwert. In einigen Regionen, etwa entlang der östlichen Grenze mit Thailand, wo es einen bewaffneten Konflikt mit Karen- und Mon-Rebellen gibt, hat die Regierung Beschränkungen erlassen, die humanitäre Hilfsanstrengungen auch von Ärzte ohne Grenzen im Keim ersticken.

Zögerliche Reaktion auf HIV-Epidemie fördert Verbreitung der Infektion

Die womöglich größte Lücke im Gesundheitssystem gibt es im westlichen Teilstaat Rakhine, wo Ärzte ohne Grenzen 2006 insgesamt 210.000 Malaria-Patienten behandelte. Insbesondere die muslimische Bevölkerung von Rakhine, die so genannten Rohingyas, leben unter prekären Bedingungen. Die Gruppe, der die Bürgerrechte verwehrt werden, ist zahlreichen Benachteiligungen ausgesetzt. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich um die medizinische Grundversorgung und die HIV/Aids-Behandlung der Rohingyas.

Die sehr zögerliche Reaktion der Regierung auf die HIV-Epidemie hat die Verbreitung der Krankheit im Lande gefördert. Die umfassenden HIV/Aids-Programme, die Ärzte ohne Grenzen in den Teilstaaten Yangon, Rakhine, Kachin und Shan anbietet, können nur einen Bruchteil des Bedarfs decken. Es gibt kaum unabhängige Informationen zur tatsächlichen Zahl von Menschen im Land, die lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente (ARV) erhalten. Doch die Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass von geschätzten 360.000 HIV/Aids-Kranken nur rund 10.000 eine ARV-Behandlung erhalten, davon etwa 8.000 in den Programmen von Ärzte ohne Grenzen. Noch weit weniger Menschen haben Zugang zur Behandlung von opportunistischen Erkrankungen wie Tuberkulose. Nach UN-Schätzungen sterben in Myanmar jährlich rund 20.000 Menschen an HIV/Aids.