Äthiopien

Mitarbeiterportrait

Daniel Zimmerer versorgt ein mangelernährtes Kind in einem Flüchtlingslager nahe der somalischen Grenze.

Daniel Zimmerer, Arzt

Alter:

33

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Kinderklinik des St. Elisabethen-Krankenhauses in Lörrach

Ausbildung:

Arzt, in Weiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2010/2011: 6 Monate im Südsudan

2011: 5 Wochen in Äthiopien

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Mein letzter Einsatz brachte mich im Rahmen der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika in ein Flüchtlingslager in Äthiopien nahe der somalischen Grenze. Insgesamt gibt es in dieser Region vier große Flüchtlingslager, Ärzte ohne Grenzen versorgt dort in Ernährungszentren die am schwersten mangelernährten Kinder. Ich war in einem der Flüchtlingslager für diese schwächsten Kinder zuständig.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Die wenige Freizeit, die im Rahmen des Einsatzes blieb, verbrachte ich wegen der bestehenden Ausgangssperre (nach Anbruch der Dunkelheit) zusammen mit den anderen nationalen und internationalen Mitarbeitern in unserem Lager. Meist waren wir dann auch mit dem Planen der nächsten Tage beschäftigt - oder einfach so am schwatzen.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Die Effektivität des Nothilfe-Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen. Es ist in sehr kurzer Zeit sehr viel bewegt worden. Innerhalb weniger Tage wurde auf die zunehmenden Flüchtlingsströme und drastisch höhere Anzahl von Mangelernährten reagiert und die Kapazität der Ernährungszentren rasch erhöht.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Am meisten beeindruckt hat mich der kleine Habibo, er war 2 Jahre und 6 Monate alt, er wog 3,8kg – nicht mal ein Drittel vom dem, was er wiegen sollte. Unbeteiligt und mit leerem Blick lag er auf seinem Bett. Sein Magen war nicht mehr an Nahrung gewöhnt, jeden Schluck Milch erbrach er. Er war dem Tod näher als dem Leben. Aber ich konnte zusehen, wie der kleine Körper nach und nach wieder begann, für das Leben zu kämpfen. Nach wenigen Tagen fing er an, selbst zu trinken – er konnte sitzen und die Augen begannen zu leuchten. Nach einer Woche empfing er mich mit einem Lachen, wenn ich an sein Bett kam und er versteckte sich hinter seiner Mutter.