Mitarbeiterporträt Annika Bombeck, Hebamme

Die Hebamme Annika Bombeck hat viele schöne Erinnerungen an ihren Projekteinsatz

Alter:

32

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Geburtshaus Wuppertal e.V. ( als Selbstständige)

Ausbildung:

Hebamme

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

  • 2010-2011 für neun Monate in Pakistan
  • 2013 für sechs Monate im Südsudan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson

Musik, die ich gehört habe:

Wenn wir abends zusammen gesessen haben, lief meistens "Chop my money" von P-Square, manchmal hat meine niederländische Kollegin ihre Sammlung aus den 90ern herausgekramt, dann wurde auch schon mal beim Kochen getanzt; und wenn ich alleine war, hab ich oft Hörbücher/spiele (z.B. "Die drei ???") gehört.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Ich habe in Lankien im Südsudan gearbeitet. Unsere Klinik war sehr einfach angelegt und bestand hauptsächlich aus gut gebauten Lehmhütten mit Wellblechdächern. Wir haben alles behandelt, was nicht operativ versorgt werden musste. Waren größere Operationen notwendig, haben wir die Patientin mit dem Flugzeug in unsere anderen Projekte nach Nasir oder Leer verlegt.

Jeden Morgen bin ich erst mal zu "meiner" Station gegangen, habe nach den Müttern und Babys geschaut und mit dem nationalen Mitarbeiter gesprochen, der Nachtdienst hatte. Je nachdem, ob gerade ein Kind auf die Welt kommen wollte oder nicht, haben wir dann zusammen mit dem Frühdienst eine Stationsrunde gemacht und alle Patienten nochmal ganz genau angeschaut. Aufgenommen wurden bei uns z.B. Frauen nach der Entbindung, mit komplizierten Schwangerschaften, entbundene Frauen mit Infektionen oder schlechten Blutwerten und kranke Neugeborene bis zu einem Alter von sechs Wochen.

Gleichzeitig haben wir auch schon mit ambulanter Schwangerenvorsorge und Nachsorge begonnen. Dazu kamen jeden Morgen die schwangeren und entbundenen Frauen aus dem Dorf und der Umgebung, immer zu Fuß, manchmal waren sie länger als zwei Stunden bei Temperaturen von mehr als 40 Grad unterwegs. Und natürlich konnte jederzeit alles durcheinander geraten, wenn wir eine Geburt (oder mehrere) hatten.

Daneben mussten auch organisatorische Dinge, wie Medikamente bestellen und Dienstpläne schreiben, erledigt werden. Viel (schöne) Zeit hat das Training der nationalen Mitarbeiter eingenommen.

Nach ca. 16 Uhr und am Wochenende waren ich oder meine Kollegin rund um die Uhr für den nationalen Mitarbeiter im Dienst erreichbar.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

An den meisten Tagen durften wir uns bis 18 Uhr frei außerhalb des Geländes bewegen, auf dem wir untergebracht waren und haben das genutzt, um eine Runde um die Landebahn und durchs Dorf zu spazieren. Abends haben wir oft Filme geschaut und zusammen Sport gemacht. An den Wochenenden haben wir zusammen gekocht, gegessen und dann oft einfach lange zusammen gesessen und geredet.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Vieles. Zum Beispiel war unser internationales Team sehr gut, wir haben unsere Zeit zusammen genutzt und genossen und konnten uns aufeinander verlassen. Meine nationalen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen standen dem in nichts nach.

Aber am meisten beeindruckt und mein Herz berührt haben die Südsudanesinnen. Diese Frauen sind einfach unglaublich stark, stehen nach einer Geburt einfach auf, als wäre nichts gewesen, sorgen für und lieben ihre Neugeborenen mit ganzem Herzen und meistern einen manchmal wirklich schwierigen Alltag. Waren sie im ersten Moment etwas zurückhaltend, sind sie schnell aufgetaut, haben unglaublich gerne gesprochen, gelacht und getanzt. Auch wenn ich nur wenige Worte verstanden habe, haben wir ganz viel Spaß und unvergessliche Momente zusammen gehabt.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Auf jeden Fall deutsches Brot und guten Kaffee

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Erst einmal arbeite ich wieder als selbstständige Hebamme in Wuppertal, weiß aber jetzt schon, dass mich die Sehnsucht schnell wieder packen wird.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Eine von vielen schönen Erinnerungen ist sicherlich die Geburt eines Zwillingspärchens. Das Mädchen wurde mit 1.200 Gramm und der Junge mit 980 Gramm geboren. Wir haben sie so lange bei uns behalten, bis die Mutter partout nach Hause wollte. Natürlich hatten wir große Sorgen, dass die zwei mit einem so geringen Geburtsgewicht in so einer Umgebung nicht überleben würden, aber elf Wochen später ist die Mutter wieder gekommen, weil der Junge eine leichte Erkältung hatte, mittlerweile wog er 1.700 Gramm und seine Schwester 2.200 Gramm, beide gesund und munter.

Kurz bevor mein Einsatz zu Ende ging, haben wir ein junges Mädchen, das ihr erstes Kind zu Hause geboren hatte, mit einer schweren Infektion in sehr kritischem Zustand aufgenommen. Sie ist nach vielen Tagen gesund und lachend nach Hause gegangen. Dieses Lachen werde ich nie vergessen, so fröhlich, warm, dankbar, zuversichtlich und mutig.