Russische Föderation

Medizinische und psychologische Soforthilfe nach Erdbeben in Tschetschenien

Mobile Klinik zur medizinischen Versorgung in den ersten Tagen nach dem Erdbeben.

Am Nachmittag des 11. Oktober 2008 hat ein Erdbeben die Nordkaukasus-Region erschüttert. Laut Angaben lokaler Behörden handelte es sich dabei um das stärkste Beben in der Region der vergangenen 30 Jahre. Mehrere Häuser stürzten im Umkreis des rund 40 Kilometer östlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny und 15 Kilometer von der Stadt Gudermes entfernt gelegenen Epizentrums ein, 13 Menschen kamen dabei ums Leben. Ärzte ohne Grenzen leistete medizinische und psychologische Soforthilfe und evaluiert die Lage weiter.

Noch drei Tage nach dem Beben waren Nachbeben spürbar - ein Großteil der Bevölkerung der am stärksten betroffenen Orte hatte Angst, in die Häuser zurückzukehren und verbrachte die Nächte im Freien. Viele der Häuser weisen schwere Schäden auf. Am stärksten wurde das Dorf Mayrtup getroffen, in dem ca. 11.000 Menschen leben. Weitere seismische Aktivitäten im Nord-Kaukasus werden für die nahe Zukunft erwartet.

Die lokalen Gesundheitsbehörden leisteten unmittelbar nach dem Beben medizinische Nothilfe für die Verwundeten. Ärzte ohne Grenzen entsandte am Tag des Bebens zwei psychologische Berater, die in den regulären Programmen der Organisation in der Region arbeiten, in das Krankenhaus der Stadt Gudermes, um Erdbebenopfer und ihre Angehörigen im Umgang mit dem Schock psychologisch zu unterstützen.

Fünf Teams im Einsatz

In vielen Orten war Ärzte ohne Grenzen die erste Hilfsorganisation vor Ort, um die Bedürfnisse der Betroffenen zu evaluieren. Fünf mobile medizinische Teams waren in den fünf am stärksten betroffenen Orten - Mayrtup, Bashi-Yurt, Lower und Upper Noybera und Oyskahara im Einsatz. An allen Orten wurden Zelte aufgestellt, mit je einem medizinischen Team und einem psychologischen Berater.

In den ersten beiden Tagen führten die Teams 562 medizinische Untersuchungen und 398 psychologische Beratungen (Gruppen- und Einzeltherapie) durch. Die meisten Patienten kamen mit stressbedingten Beschwerden wie Bluthochdruck, Herz-Kreislaufproblemen und verschiedenen psychosomatischen Störungen.

130 Untersuchungen am ersten Tag

"Am ersten Tag haben unsere mobilen Teams allein in Noybera, einem Dorf mit 3.000 Einwohnern, 130 Untersuchungen durchgeführt", berichtete Mairbek Abdullayev, ein tschetschenischer Arzt und Leiter der mobilen Kliniken. "Unsere Ärzte haben mindestens 65 Kinder mit Erkältungen behandelt, die zu uns gebracht wurden, weil sie mehrere Nächte auf der Straße verbringen mussten."

Ärzte ohne Grenzen wird auch eine Evaluierung durchführen, um den Bedarf an allgemeinen Hilfsgütern wie Decken und Öfen abzuschätzen. Die Teams werden eine genaue Untersuchung der in der Gegend vorhandenen Wasservorräte und Wasserleitungen beginnen, da eine erste Evaluierung auf einen unzureichenden Vorrat an Trinkwasser hindeutete.

Obwohl das Erdbeben in geringem Ausmaß auch in den Nachbarrepubliken Inguschetien, Dagestan, Kabardino-Balkarien und Ossetien zu spüren war, haben diese Länder keinen Schaden erlitten.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Anfang 1990 in Russland im Einsatz. Der tschetschenischen Bevölkerung leistet die Hilfsorganisation seit dem Krieg 1994 medizinische und humanitäre Hilfe. Im Nachkriegs-Tschetschenien betreibt Ärzte ohne Grenzen mobile Kliniken für intern Vertriebene, die in und um die Hauptstadt Grosny und im benachbarten Inguschetien leben. Ärzte ohne Grenzen hat auch Gebäude der lokalen Poliklinik in Grosny restauriert und eine Apotheke mit kostenloser Medikamentenausgabe eingerichtet. Die Organisation betreibt Mutter-Kind und Gynäkologie-Programme und unterstützt auch ein lokales Geburtshaus. Die meisten Hilfsprojekte bieten auch psychologische Hilfe an. Außerdem versorgt Ärzte ohne Grenzen die Gesamtbevölkerung Tschetscheniens mit Tuberkulosetherapien. Im Krankenhaus Nr. 9 in Grosny unterstützt die Organisation die neurochirurgische Abteilung und die Trauma- und Intensivstationen und betreibt ein Programm mit rekonstruktiver Chirurgie zur Behandlung von Kriegsopfern.