Demokratische Republik Kongo

Lords Resistance Army setzt verheerende Angriffe im Osten fort - Zehntausende Menschen auf der Flucht

Die Zivilbevölkerung in der Provinz Haut Uélé ist Opfer gezielter Anschläge. Für die Teams von Ärzte ohne Grenzen wird es immer schwieriger, sie zu erreichen.

Mehr als drei Wochen nach den Angriffen auf die Städte Faradje und Doruma in der Provinz Haut-Uélé setzt die Lord’s Resistance Army (LRA) ihre tödlichen Anschläge gegen die Zivilbevölkerung in der im Osten des Kongo gelegenen Provinz fort und dringt immer weiter in Richtung der Stadt Dungu vor. Zu den Opfern der bisherigen Anschläge kommen nun weitere hinzu. „Die Strategie der Angreifer ist ganz offensichtlich, die Menschen umzubringen“, erklärte der Arzt Matthieu Bichet (Ärzte ohne Grenzen), der aus Faradja, Doruma und Bangadi zurückgekehrt ist. „Die wenigen Verletzten, die wir behandeln konnten, waren eindeutig für tot geglaubt und zurückgelassen worden. Das hat sie gerettet.“ Das Team von Ärzte ohne Grenzen hat sich sofort nach den Angriffen vor allem nach Faradje und Doruma begeben, um Nothilfe zu leisten.

Das Team von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Dungu, die 70 Kilometer von der jüngst attackierten Stadt Tora entfernt liegt, ist sehr besorgt um die Bevölkerung: Die Angreifer bewegen sich immer mehr in Richtung Dungu, das letztmals Anfang November vergangenen Jahres überfallen wurde.

In den Tagen vor dem Angriff auf Tora am 17. Januar wurden die Dörfer Sambia, Subani, Akwa und Tomati nacheinander überfallen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind den ersten Vertriebenen dieser Angriffe begegnet. Sie sind zunächst in die kleine Stadt Ndedu geflohen, die etwa dreißig Kilometer südlich von Dungu liegt. Nach den ersten Attacken im vergangenen Oktober war Ndedu Sammelpunkt für Vertriebene aus Dungu und anderen Orten im Norden, wie Duru und Bangadi.

Hilfe ist aufgrund der angespannten Sicherheitslage eingeschränkt

Zehntausende Menschen befinden sich südlich des Garamba-Parks auf der Flucht nach Dungu. „Für das Team ist es immer schwieriger, diese Orte zu erreichen, um die Situation der Vertriebenen einzuschätzen, mobile Kliniken einzurichten und gegebenenfalls Überweisungen von Verletzten in das Krankenhaus von Dungu durchzuführen“, erklärte Charles Gaudry, Projektverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen vor Ort.

Die Hilfe ist aufgrund der angespannten Sicherheitslage eingeschränkt. Sogar Flüge können gefährlich sein, da nicht vorhersehbar ist, was die LRA in den angeflogenen kleinen Orten als nächstes tun wird. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen können daher immer nur ein paar Stunden an einem Ort bleiben, um rasch die Lage der Patienten in den Gesundheitseinrichtungen abzuschätzen, die am schwersten Verletzten zu evakuieren und Medikamente und medizinisches Material in die oft geplünderten Gesundheitszentren zu bringen.

Zahl der Vertriebenen und Ermordeten nimmt ständig zu

Für Ärzte ohne Grenzen wie für die anderen wenigen Hilfsorganisationen ist es sehr schwierig, eine so große Region mit verstreut liegenden Dörfern und kleinen Städten einzuschätzen, in der die Angriffe und die Zahl der Vertriebenen und Ermordeten ständig zunehmen. Einer Untersuchung von „Human Rights Watch“ zufolge sind allein in der Weihnachtszeit mehr als 600 Männer, Frauen und Kinder ermordet sowie mehr als 500 Jugendliche entführt wurden.

„Wir verstärken unsere Teams. Allerdings müssen wir zugeben, dass es in der gegebenen Situation sehr schwierig ist, den Menschen zu helfen, die Hilfe, Schutz und Sicherheit so dringend brauchen“, betonte Marc Poncin, Programmverantwortlicher von Ärzte ohne Grenzen in Genf.

Die Mitglieder des Teams von Ärzte ohne Grenzen vor Ort erinnern sich noch genau an den Morgen des 1. November 2008: Beim Angriff auf Dungu ist das MONUC-Kontingent mit mehreren hundert Männern in den Kasernen geblieben und hat die Region den Angreifern überlassen. Ein lächerlicher Schutz angesichts ihrer Entschlossenheit und Gewalt.