Koinfektion von HIV und Tuberkulose: Ein Kampf an zwei Fronten

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Der 31-jährige Chey leidet unter einer TB-Koinfektion und kämpft im Siem Reap Krankenhaus um sein Leben.

Jedes Jahr erkranken etwa 9 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB) und rund 1,7 Millionen Menschen sterben an der Krankheit. TB ist eine der Haupttodesursachen bei Menschen, die mit HIV infiziert sind. HIV-positive Menschen unterliegen einem 50-fach höheren Risiko als Nicht-Infizierte, innerhalb eines Jahres an TB zu erkranken. Deshalb breitet sich die Krankheit in Ländern mit hohen HIV-Raten, besonders im südlichen Afrika, immer mehr aus. Ungefähr ein Drittel aller 33 Millionen Menschen, die weltweit mit HIV infiziert sind, sind auch mit latenter TB infiziert. Dennoch wurden im Jahr 2006 weniger als ein Prozent aller HIV-positiven Menschen auf TB untersucht. Während die Behandlung von HIV weltweite Aufmerksamkeit erreicht hat, ist die Problematik der Koinfektion relativ unbekannt.

Die Diagnose von TB bei HIV-positiven Menschen ist schwierig. Der Standard-Test - die mikroskopische Untersuchung des Sputums - wurde vor mehr als einem Jahrhundert entwickelt und kann TB bei HIV-positiven Menschen meist nicht erkennen. Auf Bakterienkulturen beruhende Schnelltests, bei denen Sputum-Proben auf ein Trägermedium aufgetragen werden und dort wachsen, liefern bessere Ergebnisse, sind jedoch kompliziert in der Durchführung und daher an jenen Orten, an denen die meisten Patienten leben, unmöglich durchzuführen. Das führt zum Ausschluss vieler Patienten von angemessener und zeitgerechter Behandlung.

Die übliche Behandlung von TB ist unzeitgemäß und kompliziert und nicht auf die spezifischen Probleme koinfizierter Patienten abgestimmt. Bei der Behandlung müssen mindestens vier TB-Medikamente eingenommen werden. Manchmal haben diese Medikamente Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Nervenleiden und Hepatitis. Selbst wenn es zu keinen Nebenwirkungen kommt, muss das Gesundheitspersonal sicherstellen, dass die TB-Medikamente die Wirkung der HIV-Medikamente, die der Patient ja gleichzeitig einnimmt, nicht negativ beeinflussen. Seit Jahrzehnten wurden keine neuen TB-Medikamente für einen weltweiten Einsatz in großem Stil entwickelt, und die Entstehung von Resistenzen erhöht die Komplexität der Behandlung zusätzlich.

Weltweite Geber und nationale Regierungen müssen in neue Diagnosemittel und Behandlung investieren und sich der wachsenden Gesundheitsbedrohung stellen. Ärzte ohne Grenzen fordert eine massive Mittelerhöhung im Bereich Forschung und Entwicklung von TB-Medikamenten, Diagnostika und Impfungen. Rund zwei Milliarden US-Dollar müssten jährlich in die Entwicklung neuer Mittel zur Bekämpfung von TB investiert werden. Tatsächlich waren es im Jahr 2006 aber nach Schätzungen nur 429 Millionen Dollar.