Simbabwe: Gesundheitskrise nach Gewaltausbrüchen und wirtschaftlichem Kollaps

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Leere Regale in einem Geschäft in Bulawayo

Die ersten Monate im Jahr 2008 waren in ganz Simbabwe von weiterem wirtschaftlichen Niedergang und politischer Gewalt geprägt. Zwar steckt das Land seit Jahren in der Krise, die Situation nahm aber in diesem Jahr alarmierende Ausmaße an: Die Inflation kletterte auf 231 Millionen Prozent, es fehlt selbst an grundlegendsten Waren, Oppositionsanhänger werden unterdrückt und die Arbeit humanitärer Organisationen eingeschränkt. All dies führte zu vorgezogenen Neuwahlen im Juni.

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) ist die Lebenserwartung in Simbabwe auf mittlerweile nur noch 34 Jahre gesunken. Bedingt durch die Krise waren viele Simbabwer gezwungen, Mahlzeiten auszulassen, konnten sich die Busfahrkarte zum Krankenhaus nicht mehr leisten oder hatten Angst, das Haus zu verlassen. Insbesondere die zwei Millionen HIV-/Aids-Kranken des Landes leiden unter der Krise. Ärzte ohne Grenzen versorgt landesweit 40.000 HIV/Aids-Patienten, die Hälfte davon mit antiretroviraler Therapie.

Eine alarmierende Zahl von Simbabwern ist im Verlauf des Jahres aus dem krisengeschüttelten Land geflohen - darunter auch dringend benötigtes medizinisches Personal, was das ohnehin angeschlagene Gesundheitswesen zusätzlich belastet. Etwa drei Millionen Simbabwer flohen ins benachbarte Südafrika, eine beispiellose Zahl für ein nicht im Krieg befindliches Land. Täglich überquerten Tausende den Fluss Limpopo, um in die südafrikanische Grenzstadt Musina zu gelangen. Immer mit dem Risiko, verprügelt, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden. Ärzte ohne Grenzen hat ein Projekt in der simbabwischen Grenzstadt Beitbridge eröffnet und versorgt dort Flüchtlinge auf dem Weg nach Südafrika. Außerdem arbeiten mobile Teams mit neu Ankommenden entlang des Flusses Limpopo und in Musina.

Der schwerste Choleraausbruch seit Jahren begann im August und hat sich aufgrund der zusammengebrochenen Infrastruktur schnell ausgebreitet. Der Ausbruch, der sein Zentrum in Harare hat, wurde Anfang Dezember zur nationalen Katastrophe erklärt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ärzte ohne Grenzen bereits 11.000 Patienten behandelt. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben mehr als ein Dutzend Cholera-Behandlungszentren aufgebaut, Wasserquellen gechlort, Häuser desinfiziert, und auf Ausbrüche in ländlichen Gegenden reagiert. Die Teams erwarten, dass sie sich auch im Jahr 2009 um Cholera-Patienten werden kümmern müssen.