Irak: Gewalt und eine besorgniserregende Gesundheitsversorgung

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Kriegsopfer aus dem Irak werden in Jordanien behandelt.

Eine der größten Herausforderungen der humanitären Hilfe weltweit ist der Zugang zur Zivilbevölkerung, die inmitten von Kriegen und bewaffneten Konflikten gefangen ist. Nirgendwo wird dies deutlicher als im Irak. Dort haben seit der von den USA angeführten Invasion im Jahr 2003 verschiedene militärische und politische Akteure immer wieder versucht, die humanitäre Hilfe für politische Zwecke zu missbrauchen und damit humanitäre Organisationen zum Ziel gewaltsamer Angriffe gemacht.

Im Jahr 2004 war Ärzte ohne Grenzen gezwungen, den Irak zu verlassen, weil der Einsatz durch Angriffe auf humanitäre Helfer zu einem zu großen Risiko geworden war. Seit 2006 versucht Ärzte ohne Grenzen neue Wege zu gehen, um den Menschen im Irak zu helfen.

Vier Millionen Menschen wurden durch den Krieg im Irak vertrieben, zwei Millionen davon leben nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) noch im eigenen Land. Bombenanschläge und religiös motivierte Gewaltakte führen weiterhin zu Todesfällen und lebensbedrohlichen Verletzungen, die eine unmittelbare und intensive medizinische Versorgung nötig machen. Zusätzlich ist die allgemeine Gesundheitsversorgung besorgniserregend. Die irakische Regierung hat Anstrengungen unternommen, Gesundheitsdienste zu entwickeln, doch es gibt immer noch große Lücken.

In der jordanischen Hauptstadt Amman betreibt Ärzte ohne Grenzen chirurgische Programme für kriegsverletzte Patienten, die von irakischen Kollegen überwiesen werden. Im kurdischen Norden des Landes gibt es chirurgische Programme für Verbrennungsopfer sowie medizinische und psychologische Fortbildungen für Iraker.

Seit 2008 führt Ärzte ohne Grenzen in Basra Trainings zur prä- und post-operativen Versorgung durch und versucht, ein besseres Bild des Bedarfs in den südlichen Provinzen zu bekommen. In den nördlichen Provinzen Tameen und Ninewa unterstützt Ärzte ohne Grenzen fünf Krankenhäuser mit regelmäßigen Lieferungen von medizinischem Material sowie bei Notfällen und Kampagnen zur Gesundheitserziehung, um das Bewusstsein über mögliche Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten zu schärfen.