Libyen

"In Libyen wurden wir wie Sklaven behandelt"

Mouhaydin aus Somalia wünscht, sich endlich eine Zukunft aufbauen zu können. Er ist seit Anfang März in Choucha.

Mouhaydin aus Somalia, arbeitete als Hilfsarbeiter und Reinigungskraft in Libyen. Als dort der Krieg ausbrach, floh er nach Tunesien. Im März kam er ins Auffanglager Choucha an der Grenze, in dem Ärzte ohne Grenzen Flüchtlinge psychologisch betreut. Mouhaydins Frau starb auf einem Flüchtlingsboot auf dem Weg nach Europa.

"Ich habe Somalia 1994 wegen des Krieges verlassen. Als mein Vater getötet wurde, floh meine Familie nach Äthiopien. Sie sind noch immer dort. Ich bin der Älteste und muss meine Familie unterstützen. Ich beschloss, nach Libyen zu gehen und von dort aus weiterzuziehen, um Arbeit zu finden und eine Zukunft aufzubauen.

Vor acht Jahren kam ich in Libyen an. Ich arbeitete als Hilfsarbeiter und Reinigungskraft. Das Leben war hart. Wir wurden wie Sklaven behandelt.

Als der Krieg ausbrach, wurde die Lage für uns Ausländer sehr bedrohlich. Ich musste wieder fliehen und das Land verlassen.

Am 6. März 2011 kam ich gemeinsam mit meiner Frau im Lager von Choucha an. Wir haben in Libyen geheiratet. Sie war im dritten Monat schwanger. Von einem Tag auf den anderen beschloss sie, mit einer Gruppe nach Libyen zurückzukehren und von dort aus ein Boot nach Europa zu nehmen. Ich sah sie noch am Morgen und seither nie mehr. Ihr Schiff sank am 5. April.

Es schmerzt mich, dass sie mir nichts von ihren Plänen erzählt hat. Seither bin ich sehr traurig. Ich versuche, an etwas anderes zu denken. In den Nächten kann ich nicht schlafen.

"Das Leben im Lager wird immer schwieriger"

Ich habe mich als Freiwilliger bei Ärzte ohne Grenzen gemeldet und bin jetzt verantwortlich für die Registrierung der Patienten, die sich behandeln lassen wollen. In Somalia habe ich vor dem Krieg acht Jahre für Ärzte ohne Grenzen gearbeitet. Ich dolmetsche auch von Somali ins Französische; im Lager gibt es viele Landsleute aus Somalia, die Hilfe brauchen.

Das Leben im Lager wird immer schwieriger, besonders seit den Zwischenfällen im Mai. Zelte wurden niedergebrannt, und durch die Gewalt wurden einige Flüchtlinge getötet oder verletzt. Für die Kinder sind die Lebensbedingungen noch schlimmer.

Ich habe einen Onkel in Kanada. Ich hoffe, dass er mir helfen wird. Ich muss eine Lösung finden, einen kleinen Platz in einem Land, wo ich in Frieden leben und endlich eine Zukunft aufbauen kann."