Jemen

Krankenhaus in Razeh unter Beschuss - Ärzte ohne Grenzen fordert Respekt vor Gesundheitseinrichtungen

Chirurgischer Eingriffe im Krankenhaus in Al Talh. Aufgrund der Kämpfe musste Ärzte ohne Grenzen mittlerweile auch dort die Arbeit einstellen.

Im nördlichen Jemen ist vor zwei Monaten der Krieg wieder ausgebrochen. Eines der wenigen funktionierenden Krankenhäuser im Regierungsbezirk Saada ist vergangene Woche beschossen worden und die Mitarbeiter mussten die Aktivitäten einstellen. Es ist dringend nötig, ein Krankenhaus in einer sicheren Umgebung einzurichten, um Zugang zu medizinischer Hilfe zu gewährleisten. Ärzte ohne Grenzen ist bereit, die medizinische Arbeit in dem Regierungsbezirk so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.

Das Krankenhaus im Ort Razeh im Regierungsbezirk Saada wurde in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober beschossen. Mitarbeiter und Patienten waren am folgenden Tag gezwungen, das Gebäude zu evakuieren, obwohl viele Verletzte weiterhin medizinische Hilfe nötig gehabt hätten. Am Tag zuvor sind noch zehn Verwundete, einschließlich sechs Kindern und zwei Frauen, stationär aufgenommen worden.

Ärzte ohne Grenzen wiederholt den Aufruf an alle kriegführenden Parteien, die Sicherheit der medizinischen Einrichtungen und den Zugang der Bevölkerung zur Gesundheitsversorgung zu garantieren.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit Ende 2007 in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium in den beiden Krankenhäusern in den Orten Al Talh und Razeh im Regierungsbezirk Saada kostenlose medizinische und chirurgische Hilfe. Trotz einiger Schwierigkeiten musste die Arbeit bisher dank einer Vereinbarung mit beiden Konfliktparteien nicht unterbrochen werden. Medizinische Hilfe ist nun nicht länger möglich, da nicht einmal mehr minimale Sicherheitsstandards vorhanden sind.

Im Krankenhaus in Al Talh mussten die Mitarbeiter am 27. September und in Razeh am 16. Oktober die Arbeit einstellen. Seit Ausbruch der Kämpfe haben Ärzte ohne Grenzen und das jemenitische Gesundheitsministerium mehr als 2.000 Notfälle behandelt und 195 chirurgische Eingriffe durchgeführt, von denen 70 Prozent auf die Kämpfe zurückzuführen waren. 330 Patienten wurden stationär aufgenommen und 130 Kinder zur Welt gebracht. Diese Krankenhäuser waren die letzten beiden Gesundheitseinrichtungen im Regierungsbezirk, die weiterführende medizinische Hilfe angeboten haben.

„Nach mehr als zweimonatigen unaufhörlichen Kämpfen nehmen die medizinischen und chirurgischen Bedürfnisse in der Region Saada rasant zu. Ein Großteil der Bevölkerung hat aber keinen Zugang zu medizinischen Einrichtungen“, sagt Isabelle Defourny, Programmverantwortliche von Ärzte ohne Grenzen für den Jemen. „Es müsste dringend an einem Ort ein Krankenhaus eingerichtet werden, an dem die Menschen sicheren Zugang zu Gesundheitsversorgung hätten.“

In der Region Mandabah im Distrikt Baqim, nördlich des Regierungsbezirks Saada, ist die nötige Sicherheit gegeben. Viele Menschen, die vor den Kämpfen geflohen sind, haben sich dort gesammelt. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in der Region seit Ende August Menschen untersucht und sehen es als Priorität an, dort umgehend ein Krankenhaus einzurichten.

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind bereit, in Mandabah schnellstmöglich Hilfe zu leisten und warten auf die Genehmigung der Behörden.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben von Januar bis Juli 2009 rund 30.000 Behandlungen durchgeführt. Etwa 8.000 Menschen waren Notfälle und mehr als 700 wurden chirurgisch behandelt. Zu den chirurgischen Fällen gehörten einige hundert Kriegsverletzte.