Jedes fünfte Kleinkind weltweit erhält keinerlei Impfungen - Zehntausende sterben an leicht vermeidbaren Krankheiten

Im Rahmen eines internationalen Programms, dessen Ziel es ist, Impfungen in ärmeren Ländern zu ermöglichen, wurde in Kenia mit Impfungen gegen durch Pneumokokken verursachte Krankheiten begonnen. Auch Ärzte ohne Grenzen hat dies in den kenianischen Projekten entsprechend begonnen.

Noch immer sterben jährlich Zehntausende Kinder an Krankheiten, die durch Impfungen verhindert werden könnten. Denn weltweit erhält jedes fünfte Kind heute nicht einmal eine Grundimmunisierung. Die Impfstrategie der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) berücksichtigt dies nicht ausreichend. "GAVI könnte viel mehr tun, um sicher zu stellen, dass Neugeborene in ärmeren Ländern gegen tödliche Infektionskrankheiten geimpft werden", kritisiert Dr. Manica Balasegaram, Leiter der internationalen Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Wir brauchen dringend Impfstoffe, die gerade in schwer erreichbaren Regionen, einfacher zu verabreichen sind. Es gibt keinen Grund dafür, dass Kinder immer noch an Krankheiten sterben, die sich durch Impfungen verhindern ließen."

Ärzte ohne Grenzen ist in den Regionen, in denen die Organisation arbeitet, immer wieder mit den direkten Folgen dieses Versäumnisses konfrontiert: massive Ausbrüche von durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten. Im Jahr 2010 impften Teams von Ärzte ohne Grenzen allein in der Demokratischen Republik Kongo als Reaktion auf mehrfache Ausbrüche von Masern mehr als vier Millionen Menschen gegen die Krankheit. Die Ausbrüche hätten durch routinemäßige Immunisierungen vermieden werden können.

Neue Impfstoffe müssen entwickelt werden

Die für die nächsten zehn Jahre gestartete Impfstrategie - "Global Vaccine Action Plan" und "Decade of Vaccines"- betonen die Notwendigkeit nicht ausreichend, die Grundimmunisierung zu stärken. Die Entwicklung von Impfstoffen, die besser geeignet sind, Kinder in abgelegenen oder instabilen Regionen zu erreichen wird nicht als Priorität gesehen. Es werden Impfstoffe benötigt, die nicht gekühlt und injiziert werden müssen und seltener verabreicht werden können. Anders lässt sich die wachsende Zahl nicht geimpfter Kinder nicht senken. Die Zahl der Neugeborenen, die weltweit keine Grundimmunisierung erhielten, ist von 19 Millionen im Jahr 2010 auf 22,4 Millionen im Jahr 2012 angewachsen. GAVI sollte eine Rolle in der Entwicklung solch adaptierter Impfstoffe spielen, tut dies aber bislang nicht.

Außerdem bemüht sich GAVI bei der Einführung neuer Impfstoffe, beispielsweise gegen Pneumokokken und den Rotavirus , nicht genügend um Preissenkungen. Dies könnte verheerende Auswirkungen auf die Impfprogramme der Länder haben, deren Unterstützung durch GAVI ausläuft. In Honduras werden beispielweise die Kosten für die Impfung eines Kindes mit diesen beiden neuen Impfstoffen um fast 1000 Prozent steigen, wenn das Land im Jahr 2015 die Geberfinanzierung verliert.