Guinea

Interview zur Ebola-Behandlung: "Ich erfülle die Träume unserer medizinischen Teams”

In der Schutzkleidung ist es so stickig, dass man es kaum länger als 30-40 Minuten aushält. Trotzt der schwierigen Bedingungen bemüht sich das Team von Ärzte ohne Grenzen die Patienten bestmöglich zu versorgen.

 

Pascal Piguet ist Logistiker von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Gueckedou in Guinea. Er berichtet im Interview von den besonderen Herausforderungen in einem Ebola-Projekt, z.B. der Arbeit in massiver Schutzkleidung oder den Spezifika einer Isolierstation. Er erzählt von der Situation der Patienten in Quarantäne, und wie die Teams versuchen, ihr Leid zu lindern und sie zu begleiten – wissend, dass viele nicht überleben werden. 

Wie bist du beim Bau der Ebola-Klinik vorgegangen?

Ganz am Anfang macht man hauptsächlich Krisenmanagement: Du musst jeden Tag improvisieren und gleichzeitig kannst du einmal getroffene Entscheidungen nicht mehr rückgängig machen. Zum Beispiel die Größe der Isolationsstation: Du kannst das entsprechende Areal nicht mehr verkleinern, denn sobald wir dort Ebola-Erkrankte behandeln – ist das Gelände mit Erregern infiziert. All diese Dinge muss man vorab mitbedenken. Daher haben wir beim Bau der Isolationsstation einige Betonplatten extra verlegt, damit wir im Fall eines Anstiegs der Patienten rasch den Behandlungsbereich von außen ohne Schutzkleidung erweitern können.

Wir mussten auch eine Lösung finden, um kontaminiertes Wasser zu entsorgen. Ebola wird zwar nicht mittels Wasser übertragen, aber wir müssen sicherstellen, dass sich im Wasser selbst keine kontaminierten Gegenstände befinden.

Beim Bau der Station haben wir sehr eng mit dem medizinischen Team zusammengearbeitet – beispielsweise um die Schritte, die Patienten durchlaufen, richtig einzuplanen. Mein Job besteht darin, die Idealvorstellung meiner Kollegen und Kolleginnen in die Realität umzusetzen. Ich bin derjenige, der ihre Träume wahr werden lässt.

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Welche Herausforderungen gibt es derzeit vor Ort?

Unsere guineischen Mitarbeiter wollen eigentlich nicht auf die Station gehen. Eine der Herausforderungen besteht daher darin, sie über unsere Einrichtung aufzuklären, damit sie sich wohler dabei fühlen, innerhalb der Klinik zu arbeiten.

Im Bereich des Materialmanagements muss man wiederum sehr genau darauf achten, dass alles, was einmal im Isolationsbereich war, nicht mehr außerhalb verwendet wird. Kürzlich ist mein Klebeband in den Isolationsbereich gerollt – ich kann es nun nicht mehr verwenden. Wir befinden uns hier 800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, daher dauern Lieferungen bereits sehr lang. Noch dazu benötigen wir sehr viel mehr Material als bei einem herkömmlichen Hilfseinsatz. Auch die Einrichtungsgegenstände innerhalb der Station sind eine Herausforderung: Wir müssen immer exakt wissen, welche Unterstützung das medizinische Team von uns braucht. Wenn sie von uns wollen, dass wir ein Bett verschieben, müssen wir vorher wissen, wohin genau. Wir haben außerhalb der Station einen genauen Lageplan, in dem alle Möbel mit Magneten dargestellt sind – so können wir uns gut vorbereiten, bevor wir in den Isolationsbereich gehen.

Wir müssen bis ins kleinste Detail vorausplanen: In der Schutzkleidung ist es nämlich so stickig, dass man es kaum länger als 30-40 Minuten aushält. Außerdem können wir nur 3-4 Mal pro Tag hineingehen. Wenn uns also das medizinische Team bittet, einen Patienten zu transportieren, folgt eine 15-minütige Diskussion: Welcher Patient muss wo genau hin, und so weiter – damit wir wirklich wissen, was zu tun ist. Wir erhalten jedes Mal ein halbstündiges Briefing um zu erfahren, was zu tun ist, und wir bereiten alle Materialien vorab vor.
Wir müssen uns auch genau darauf vorbereiten, wenn wir in die Station müssen, um einen Verstorbenen zu holen. Wir sprechen uns mit dem medizinischen Personal dazu genau ab.

Wie ist die Situation der Patienten?

Beim Zaire-Stamm des Ebola-Virus sterben 9 von 10 Erkrankten – deshalb müssen wir leider davon ausgehen, dass die meisten Patienten unsere Isolationsstation nicht lebend verlassen werden. Wir tun aber unser Möglichstes, um ihnen zu geben, was sie möchten. Die Wünsche waren auch immer recht bescheiden: Ein bestimmtes Essen, neue Kleidung… Diese Dinge kann man einfach organisieren und sie bereiten eine kleine Freude. Wir versuchen wirklich, so viel wie möglich für die Patienten zu tun. Wir haben zum Beispiel Patienten, die morgens Kaffee mit Milch wollten. Unser Team verbrachte eine Stunde damit, zu überlegen, wie wir das bewerkstelligen können, ohne täglich eine kontaminierte Thermoskanne zerstören zu müssen. Wir machten es dann so: Jemand in voller Schutzkleidung stand innerhalb der Isolationszone mit einer Thermoskanne, und eine Person mit leichter Schutzkleidung und einer weiteren Thermoskanne mit dem Kaffee außerhalb der Zone. Dann füllten sie die heiße Flüssigkeit von einer Kanne in die andere um, ohne sich zu berühren.

Es gibt auch innerhalb der Isolationsstation eine kleine Terrasse, damit die Patienten Tageslicht sehen können. Aber diejenigen, die nicht mehr mobil sind und nicht auf die Terrasse gehen können, sehen wegen all der Schutzkleidung nur mehr unsere Augen. Das ist wirklich hart. Doch wir versuchen alles, um die Situation zu verbessern.

Welche Risiken bestehen für die Mitarbeiter?

Die Sicherheit unserer Teams hat für uns höchste Priorität. Wir entscheiden uns immer für diejenige Lösung, die am besten geeignet ist und gleichzeitig das geringste Risiko beinhaltet. Wir versuchen, die Bedenken der Mitarbeiter auch entsprechend mit einzubeziehen, damit sie sich innerhalb der Station sicher fühlen. Das medizinische Team sollte sich ganz auf seine Aufgabe konzentrieren können, und sich nicht über seine Sicherheit Sorgen machen müssen.

Ich persönlich habe keine Angst davor, in die Isolationszone zu gehen – man gewöhnt sich daran, je öfter man es tut. Ich bin wahrscheinlich diejenige Person, die den Aufbau und die Struktur am besten kennt. Ich bin auch sehr konzentriert, wenn ich die Station betrete. Drinnen sind wir wie Astronauten: Die Bewegungen sind langsamer, und ich achte immer darauf, dass niemand um mich herum ist. Wenn ich mit einer Metallstange hantiere, könnte ich leicht ein Loch in einen Schutzanzug machen und so jemanden in Gefahr bringen.