Interview: Erstes neues Tuberkulose-Medikament seit 50 Jahren zugelassen

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA gab am 31. Dezember 2012 die Genehmigung von Bedaquilin bekannt, dem ersten neuen Tuberkulose-Medikament seit 50 Jahren. Ärzte ohne Grenzen bewertet die Zulassung des Medikaments als Meilenstein in der Tuberkulose-Behandlung. Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, erklärt, warum die Zulassung des neuen Medikaments so bedeutend ist.

Was sind die genauen Bedingungen der Zulassung von Bedaquilin durch die FDA und warum ist dieses neue Medikament so wichtig?

Die FDA hat am 31. Dezember die vorläufige Zulassung von Bedaquilin des Herstellers Janssen-Cilag bekannt gegeben. Insbesondere die Behandlung der multiresistenten Tuberkulose, bei der die zwei wichtigsten Medikamente unwirksam sind, ist bisher schwierig. Nur 19 Prozent der Erkrankten erhalten eine adäquate Therapie. Die bisherige Behandlung dauert in der Regel zwei Jahre, der Patient muss bis zu 20 Pillen pro Tag nehmen und bekommt über einen Zeitraum von acht Monaten zusätzlich Injektionen. Neben massiven Nebenwirkungen liegt die Erfolgschance bei der derzeitigen Behandlungsmethode nur bei etwa 50 Prozent. Wir haben die Hoffnung, dass das jetzt besser wird.

Gibt es dabei auch Probleme?

Bedaquilin ist sicher kein harmloses Medikament und die teilweise gefährlichen Nebenwirkungen müssen in künftigen Studien genau untersucht werden. Allerdings haben auch die bisherigen Therapien oft erhebliche Nebenwirkungen, wie die Neigung zum Suizid, zu Psychosen oder andauernder Taubheit und auch die Schwere einer resistenten Tuberkulose-Erkrankung muss man berücksichtigen.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Möglichkeit neuer Behandlungsmethoden, die durch das neue Medikament entstehen, ist ein Grund mehr, jetzt den Kampf gegen die Tuberkulose auszuweiten und mehr Mittel in die Behandlung dieser tödlichen Krankheit zu stecken. Dabei hängt der Zugang zu neuen Tuberkulose-Medikamenten stark von der Pharmaindustrie ab. Wir fordern die Hersteller auf, schnellstmöglich neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten für Tuberkulose auch in den am meisten betroffenen Ländern auf den Markt zu bringen und sicherzustellen, dass die Medikamente auch zur Behandlung von Patienten in ärmeren Ländern bezahlbar werden.