Implementierung eines neuen Patentgesetzentwurfs im indischen Parlament - Millionen Menschenleben stehen auf dem Spiel

Indien: Implementierung Patentgesetz

Das indische Parlament bereitet sich derzeit darauf vor, neue Bestimmungen der Welthandelsorganisation (WTO) zum Patentschutz in nationales Recht umzusetzen. Ärzte ohne Grenzen fordert indische Entscheidungsträger auf, sicherzustellen, dass Patienten in ärmeren Ländern weiterhin Zugang zu erschwinglichen Medikamenten haben werden. Indien ist einer der größten Hersteller und Exporteure von Nachahmermedikamenten (Generika), beispielsweise zur Behandlung von HIV/Aids. Ärzte ohne Grenzen warnt, dass die derzeit vorgesehenen Änderungen das WTO-Abkommen unnötig streng auslegen, somit die Produktion von neuen Generika in Indien erheblich erschwert wird und durch steigende Preise die Versorgung von Menschen in ärmeren Ländern drastisch eingeschränkt werden wird.

Ärzte ohne Grenzen hat an Dr. Avul Pakir Jainulabdeen Abdul Kalam (Präsident Indiens), an Dr. Manmohan Singh (Ministerpräsident Indiens) und an die Politikerin Sonia Gandhi Briefe gerichtet. In diesen Schreiben fordern wir die Angeschriebenen auf, sicherzustellen, dass Menschen, die auf indische Generika angewiesen sind - nicht nur in Indien, sondern weltweit - auch weiterhin Zugang zu erschwinglichen generischen Medikamenten haben werden.

Ärzte ohne Grenzen behandelt 25.000 HIV/Aids-Patienten weltweit, rund 70 Prozent dieser Patienten nehmen in Indien produzierte generische Medikamente ein. Der niedrige Preis und die leichte Anwendung dieser von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) präqualifizierten Medikamente hat es Ärzte ohne Grenzen ermöglicht, die Zahl der Menschen, die eine Behandlung bekommen, über die vergangenen drei Jahre deutlich zu erhöhen. Doch gegen die Medikamente der ersten Wahl entwickeln sich Resistenzen und die Patienten müssen auf eine zweite Therapielinie umsteigen. Kann Indien, anders als bisher, keine Generika mehr für alle neu auf den Markt kommenden Arzneimittel produzieren, werden mangels Wettbewerb die Preise auf höherem Niveau bleiben. Dies könnte dazu führen, dass Millionen Menschen und Gemeinschaften in ärmeren Ländern nicht mehr in der Lage sein werden, die dringend benötigten Medikamente zu bezahlen.