Demokratische Republik Kongo

Im Kongo sterben Kinder an Masern und Cholera - Meckenheimer war acht Monate für "Ärzte ohne Grenzen" in Zentralafrika

Thierry Kühn im Projekt in Dubie.

Meckenheim. (abk) Erst seit ein paar Wochen ist er wieder zu Hause in Meckenheim-Merl. Jetzt sind erst einmal die Familie und Freunde an der Reihe, erklärt Thierry Kühn. Acht Monate lang war der 28-Jährige für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo.

An seinem Aufenthalt in Zentralafrika sei gar nichts Außergewöhnliches - und schon gar nicht Heldenhaftes, so Kühn. Für internationale Politik habe er sich schon während seines Studiums interessiert. Jetzt, am Anfang seiner beruflichen Laufbahn, sei es naheliegend, dass er internationale Projekte übernehme. Als "Volunteer" bei Ärzte ohne Grenzen sei er immerhin fest angestellt. Und die Lage im südlichen Teil des vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes sei durchaus stabil.

In der Provinz Katanga, im südlichen Teil des riesigen afrikanischen Staates, nahe der Grenze nach Sambia am Mweru-See im kleinen Ort Dubie befindet sich das Krankenhaus, in dem der Politologe als Logistiker und Administrator dafür verantwortlich war, dass alles zur rechten Zeit am rechten Ort war. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass nur alle halbe Jahre Medikamente aus Amsterdam eintreffen, dass nur zweimal im Monat Benzin geliefert wird und dass die Lebensmittel zweimal pro Woche per Flugzeug aus der 400 Kilometer entfernten Stadt Lubumbashi gebracht werden müssen. Kühn selbst wohnte während seines Aufenthaltes mit den anderen ausländischen Helfern "fast wie in einer WG" zusammen.

Geschlafen hat er in einer Rundhütte - ohne Strom. Die Elektrizität fürs Krankenhaus wurde über Solarzellen und einen Generator erzeugt. "Die Stirnlampe ist ein wichtiges Utensil, wenn man dort arbeitet!" Durchschnittlich würden etwa 150 bis 200 Patienten im Krankenhaus versorgt. Neben der Chirurgie, der Geburtsstation und der Pädiatrie gäbe es auch Abteilungen für Tuberkulose und Unterernährung. Außerdem werden noch Dörfer im Umkreis von etwa 70 Kilometer über ein Outreach-Programm in die medizinische Versorgung mit einbezogen - per Jeep. "In der Regenzeit braucht man da schon mal neun Stunden für den Weg", lacht Kühn.

Oft müssten außerhalb mobile Kliniken eingerichtet werden, um Epidemien rechtzeitig in den Griff zu bekommen. Mit Masern und Cholera sei in Afrika nicht zu spaßen: "Viele Kinder sterben daran", weiß der junge Mann, der plötzlich sehr ernst ist.

Auch er selbst wurde bei seinem Aufenthalt von Krankheit nicht verschont. Die Malaria hat ihn erwischt - nicht so schlimm, wie es ohne prophylaktische Medikamente der Fall gewesen wäre, versichert Kühn. Nur zwei Wochen Urlaub hat sich Thierry Kühn gegönnt, als er in Afrika war. Zwischen den Fotos, die sein 11-Mann-Team zeigen und ihn selbst, mit seinem Assistenten Emmanuel, wie er mit dem Jeep im Schlamm stecken geblieben war oder lachend mit einheimischen Kindern, finden sich auch Bilder von Traumstränden auf Sansibar.

Auch die Naturschönheit des Kongo hat Thierry Kühn beeindruckt, besonders aber die Mentalität der Kongolesen, die immer fröhlich seien und gastfreundlich, obgleich sie wenig ihr Eigentum nennen. Die einheimischen Mitarbeiter in seinem Team waren hochmotiviert. Und auch er selbst habe oft länger gearbeitet, als es der Vertrag vorsah: "Wenn man die unterernährten Kinder sieht, dann weiß man, wofür man es tut."

Blickpunkt / Schaufenster vom 12. August 2008