Niger

"Ich habe unheimlich viel gelernt"

Oliver Bartelt behandelte als Arzt im Niger mangelernährte Kinder.

von Markus Baier

Das zentralafrikanische Land Niger gehört zu den ärmsten Staaten der Welt - und Unterernährung ist eines seiner größten Probleme. Viele Hilfsorganisationen versuchen, die Not in den Griff zu bekommen. Eine davon ist "Ärzte ohne Grenzen". Und einer der Helfer, die gerade erst aus Niger zurückgekehrt sind, ist der ehemalige Bad Säckinger Oliver Bartelt. Der Kinderarzt war acht Monate lang in Afrika - eine abenteuerliche aber ebenso lehrreiche Zeit.

Aufgewachsen ist Oliver Bartelt in Bad Säckingen, wo er 1993 am Scheffel-Gymnasium Abitur gemacht hat. Danach kam das Medizinstudium in Freiburg, 1999 ging er nach Berlin, wo er seit fünf Jahren in der DRK Klinik Westend arbeitet.

Was veranlasst einen Kinderarzt, kurzerhand das moderne Krankenhaus gegen die afrikanische Steppe einzutauschen? Diese Frage kommentiert Bartelt mit einem Lächeln: "Eigentlich waren drei Gründe ausschlaggebend. Vor allem wollte ich wissen, ob ich ein guter Arzt bin."

Fern ab von Hightech und modernen Labors wollte er ausprobieren, ob er in der Lage ist, Krankheiten zu erkennen und zu behandeln. Afrika war immer sein Wunschziel: "Ich wollte unbedingt als Buschdoktor arbeiten."

Daneben habe ihn auch der Bereich Tropenmedizin interessiert. Und letztlich wollte er auch seine Französischkenntnisse auffrischen. Mit "Ärzte ohne Grenzen" hat Oliver Bartelt die richtige Wahl getroffen. Da ist sich der 35-Jährige sicher: "Das ist eine Organisation, die hohe Sicherheitsstandards hat."

Am 13. November letzten Jahres ging es los. Mit zwei Koffern - hauptsächlich voll gepackt mit Fachbüchern, Musik und Filmen - machte Bartelt sich auf die Reise. An die Ankunft in Niger kann er sich noch deutlich erinnern: "Es war, als ob sich alle Afrika-Klischees erfüllen. Es war sehr heiß, die Erde war leuchtend rot und die Einheimischen waren bettelarm, aber äußerst freundlich."

Nach dreitägigem Briefing in der Hauptstadt Niamey ging es für Bartelt weiter an seinen eigentlichen Einsatzort Madaoua, gut acht Stunden von Niamey entfernt. Dort war er im Krankenhaus - durchschnittlich 72 Stunden in der Woche: "Aber eigentlich war man 24 Stunden am Tag mit dem Projekt verbunden", erklärt er.

Sein siebenköpfiges Team habe er erst vor Ort kennengelernt. Die Zusammenarbeit sei reibungslos verlaufen: "Ich habe von den anderen viel über Tropenkrankheiten und Unterernährung gelernt und im Gegenzug ständig Fortbildungen für die einheimischen Ärzte hier gegeben."

Besonders hat ihn bei seiner Arbeit beeindruckt, wie schnell Behandlungserfolge sichtbar wurden. An drei kleine Patienten erinnert er sich besonders. Die Helfer hatten einen achtjährigen Jungen auf der Straße gefunden: "Er war auf zwölf Kilogramm abgemagert und schwer krank." Aber nach nur zwei Monaten konnte er in guter körperlicher Verfassung wieder zu seiner Familie zurückkehren.

Dann waren da die beiden Zwillinge Husseina und Hassan. Sie waren zu früh zur Welt gekommen und wogen gerade 1000 beziehungsweise 700 Gramm. "Wir haben es geschafft, sie ohne Hightech-Medizin durchzubringen und aufzupäppeln", freut sich Bartelt.

Aber nicht alles sei so glatt verlaufen. Eine fünfwöchige Meningitis-Epidemie, der 60 Menschen zum Opfer fielen, gehört zu den tragischen Erinnerungen, die der Kinderarzt aus Niger mitbringt. Nur eine gewaltige Kampagne mit über 200000 Impfungen habe Schlimmeres verhindern können.

Das Projekt in Madaoua habe sich während seiner Zeit vor Ort prächtig entwickelt. Am Ende kam dann die gute Botschaft, dass die "Ärzte ohne Grenzen" auch noch in den nächsten Jahren vor Ort bleiben werden.

Bartelts Fazit fällt nach Ablauf seiner acht Monate in Niger durchweg positiv aus: "Es war die schönste Arbeitszeit meines Lebens. Ich habe unheimlich viel gelernt." Aber am Ende sei ihm klar geworden, dass "ich in ein deutsches Krankenhaus gehöre."

Aber trotz allem kann sich Oliver Bartelt vorstellen, auch in Zukunft wieder für "Ärzte ohne Grenzen" im Ausland zu arbeiten: "Wenn es geht, möchte ich alle drei bis vier Jahren so ein Projekt betreuen." Aber dann sollte es nicht ganz so lang sein. Drei Monate in einem Land wie Niger seien durchaus genug.