Simbabwe

„Ich bin einfach nur glücklich und total überwältigt“

Gibson Chijaka ist nach zweijähriger Behandlung von TB geheilt. Jetzt setzt er sich für die Entwicklung neuer Medikamente ein.

Gibson Chijaka aus Simbabwe war 14, als bei ihm eine Form der Tuberkulose diagnostiziert wurde, bei der viele Medikamente nicht mehr wirken. Infektionen mit resistenter Tuberkulose (DR-TB) haben im Südlichen Afrika zugenommen. Denn Tuberkulose geht oft einher mit einer HIV-Infektion und ist sehr ansteckend. Resistente Tuberkulose ist zwar heilbar, aber die Behandlung dauert lange und ist für die Patienten sehr belastend. Gibson Chijaka jedoch hat die Krankheit besiegt.
 

Gibson lebt bei seiner Familie in Epworth nahe der Hauptstadt Harare. Er ist Vollwaise. „Viele Menschen haben mich gefragt, was das für eine Form von Tuberkulose ist, bei deren Behandlung man acht Monate lang Spritzen bekommt. Und außerdem 18 Tabletten am Tag, zwei Jahre lang. Zuzüglich zu den anti-retroviralen Medikamenten gegen HIV, die ich auch nehmen muss“, sagt Gibson.

Als die Erkrankung vor zwei Jahren bei Gibson Chijaka festgestellt wurde, dachten seine Verwandten, das sei sein Todesurteil. DR-TB ist in vielen Teilen Simbabwes mit einem großen Stigma verbunden, und es kursieren viele falsche Informationen.

Alle hatten Angst, sich anzustecken

Für den heute 16-Jährigen war die Behandlung eine schwere Zeit. Und auch seine Verwandten hatten indirekt unter den Folgen zu leiden. „Meine Tochter, die sich um Gibson kümmerte, wurde aus drei Häusern verwiesen, weil die anderen Bewohner Angst hatten, sich anzustecken“, erzählt Gibsons Großmutter.

„Ich musste all meinen Mut zusammennehmen, um ihn bei mir einziehen zu lassen, denn er hatte sonst niemanden. Aber im tiefsten Innern hatte ich ebenfalls Angst, dass er jemanden von uns anstecken könnte“, sagt sie. In ihrem Haus wohnen insgesamt mehr als 20 Familienmitglieder.

Ihre Sorgen wurden erst zerstreut, als ihnen Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erklärten, wie man sich vor Ansteckung schützen kann und wie DR-TB behandelt wird. Trotzdem dachten alle, dass Gibson die zweijährige Behandlung nicht durchstehen würde. „Anfangs fragten wir uns, ob die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen ihn ernsthaft retten und nicht bloß ihre Medikamente an ihm testen wollten, sagt Gibsons Schwägerin. „Aber nach und nach wandelte sich unsere Angst in Mut, und wir alle wollten beweisen, dass diese Medikamente funktionieren.“

Die Dauer der Behandlung ist entmutigend

Gibson ist einer von vielen Patienten mit DR-TB in Simbabwe, die in den Projekten von Ärzte ohne Grenzen behandelt werden. Allein im letzten Jahr wurden mehr als 60 Patienten aus dem ganzen Land neu aufgenommen. In Epworth selbst sind acht Patienten geheilt worden, seit das Programm Ende 2010 startete.

Eine ehrenamtliche Gesundheitsberaterin der Gemeinde hat Gibson während seiner Behandlung jeden Tag besucht. Auf die Art soll sichergestellt werden, dass die Patienten auch wirklich ihre Medikamente nehmen. Denn zwei Jahre sind eine lange Zeit. Auf viele Menschen wirkt das so entmutigend, dass sie sich lieber gar nicht testen lassen. „Doch Gibson hatte einen starken Lebenswillen“, sagt Bvute. „Und auch wenn er sich oft über die starken Nebenwirkungen beklagt hat, hat er doch Tag für Tag seine Tabletten genommen. Ganze zwei Jahre lang.“

Den Anschluss in der Schule verpasst

So sehr sich Gibson auch darüber freut, endlich geheilt zu sein, so sehr ärgert es ihn, dass er zwei Jahre lang nicht zur Schule gehen konnte. „Ich bin wirklich dankbar, dass diese Medikamente mein Leben gerettet haben, aber es war wirklich die Hölle für mich. Ich konnte mein Leben nicht genießen.“

Heute macht sich der junge Mann für neue Medikamente stark: „Ich glaube nicht, dass es so schmerzhaft sein muss, von DR-TB geheilt zu werden. Wenn ich die Chance dazu hätte, würde ich den Herstellern sagen: ‚Macht doch aus diesen 18 Pillen eine einzige. Und am besten so stark, dass man sie nicht zwei Jahre lang täglich nehmen muss.‘ Wenn die Behandlung weniger lang gedauert hätte, hätte ich vielleicht nicht so lange mit der Schule aussetzen müssen.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 2000 in Simbabwe. Nach wie vor gibt es Lücken bei der Behandlung resistenter Tuberkulose. Vor allem die Bedürfnisse von Kindern und Teenagern müssen noch stärker berücksichtigt werden. Im Jahr 2013 wurden in Simbabwe 3200 Patienten wegen Tuberkulose behandelt. 63 von ihnen hatten sich mit der schweren Form DR-TB angesteckt.