Jemen

Hilfe inmitten der Kämpfe

Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium versorgt Ärzte ohne Grenzen Opfer der Konflikte.

Ärzte ohne Grenzen behandelt in der Stadt Al Talh die Menschen, die bei den wieder aufgeflammten Kämpfen in der Region Saada verwundet wurden. Die Arbeit wird durch die sehr komplexe Sicherheitslage erschwert.

Die jemenitische Armee kämpft in der Region Saada seit vier Wochen wieder gegen die Al Houthi-Rebellen. Die heftigen Kämpfe finden hauptsächlich in der Region um die Stadt Saada statt, entlang der Hauptstraße zwischen den Städten Saada und Baqim, und weiter westlich in der Region um die Städte Haydan und Al Malaheed.

Ärzte ohne Grenzen ist die einzige internationale medizinische Organisation in der Region, die nach dem erneuten Ausbruch der Kämpfe weiterarbeiten konnte. Die Organisation ist in den Krankenhäusern in den Städten Razeh und Al Talh tätig und setzt alles daran, so nah wie möglich an der Bevölkerung zu bleiben, ohne die Sicherheit der Patienten und des medizinischen Personals zu gefährden. Einige internationale Mitarbeiter mussten evakuiert und die Fahrten stark eingeschränkt werden.

Vom 11. August bis zum 2. September haben die Mitarbeiter 515 Notfälle in dem Krankenhaus behandelt, in dem Ärzte ohne Grenzen seit April 2008 arbeitet. Das chirurgische Team hat 120 Eingriffe vorgenommen, von denen zwei Drittel auf Kriegsverletzungen zurückzuführen waren.

Die Mitarbeiter können sich aufgrund der instabilen Sicherheitslage kaum bewegen. Sie konnten weder die Folgen der Kämpfe noch die Möglichkeit der Bevölkerung ermessen, Zugang zu medizinischer Hilfe zu finden.

Arnaud Drouart, Anästhesist von Ärzte ohne Grenzen in Al Talh, ist vor kurzem aus dem Jemen zurückgekehrt und berichtet von der Arbeit im Krankenhaus während der ersten zehn Tage, in denen die Kämpfe um die Stadt herum gewütet haben:

„Als die Kämpfe in Al Talh wieder aufgeflammt sind, kamen sehr viele Verwundete – ein Kleintransporter kam beispielsweise mit drei oder vier Verwundeten. Am ersten Tag der Kämpfe kamen zwei oder drei der eben genannten Kleintransporter. Wir sind sofort in den Operationssaal gerannt und haben den ersten Patienten operiert. Eine Stunde später hat man uns gesagt, dass noch drei oder vier Patienten angekommen sind. Zwei oder drei Mal waren wir gezwungen, die Operationen zu verschieben, da wir es nicht riskieren konnten, die Menschen in den Zelten abzuholen. Wir sind für eine halbe oder sogar eine Stunde im Operationssaal geblieben und haben darauf gewartet, dass die Kämpfe in der Nähe aufhören, so dass wir den Patienten in den Aufwachraum bringen konnten und es sicher genug war, andere Patienten aus den Zelten abzuholen.

Das Krankenhaus war nie Zielscheibe. Als aber in der Nähe gekämpft wurde, waren Irrtümer oder verirrte Kugeln möglich. Es gab den Fall, als eine verirrte Kugel oder ein Bombensplitter – was weiß man nicht genau – sich verirrt hatte, ein Zelt durchschlagen und einen Mitarbeiter verwundet hat.

Nach drei oder vier Tagen hat sich die Situation geändert. Die Angriffe waren dann glücklicherweise ein paar Kilometer entfernt. Den Druck der Bombenexplosionen haben wir aber immer noch gespürt.

Ich erinnere mich an die Nacht, als sie mit der Bombardierung nicht aufgehört haben und ich mir gesagt habe: Es werden Verwundete kommen, es werden Verwundete kommen. Und ich lag richtig. Wir mussten mitten in der Nacht einen Verwundeten operieren. Es war für uns immer sehr ungewiss, ob wir einen Patienten in die Stadt Saada bringen können. Und den Patienten ging es nicht anders, glaube ich: Einen Tag konnten sie zum Krankenhaus gehen, an einem anderen Tag nicht ... es war immer sehr ungewiss.“