Palästinensische Autonomiegebiete

Gaza: Vor allem Zivilisten unter den Todesopfern

Unsere Anästhesistin Kelly auf der Notfallstation des Shifa Krankenhauses

Der Großteil der Toten und Verletzten im Gazastreifen sind nach Beobachtung der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Zivilisten. Auch medizinische Helfer kommen während des aktuellen Militäreinsatzes immer wieder unter Beschuss. Die internationale medizinische Hilfsorganisation fordert, den Schutz von Zivilisten, medizinischem Personal und Einrichtungen zu respektieren.

Die meisten Verwundeten, die am Morgen des 20. Juli in die von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Notaufnahme des Al Shifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt eingeliefert wurden, waren Frauen und Kinder. In der Nacht davor war das dichtbesiedelte Schedschaija-Viertel mit Artillerie beschossen worden. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen beobachteten, wie hunderte Menschen aus dem umkämpften Gebiet flüchteten. Sie konnten erst in der Morgendämmerung fliehen, zu Fuß oder in überfüllten Autos. Zeitgleich erreichten die ersten Verletzten das Krankenhaus.

"In der Notaufnahme starb die Hälfte der eingetroffenen Schwerverletzten innerhalb weniger Minuten. Die andere Hälfte brauchte Notoperationen", berichtet Audrey Landmann, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza. Unter den hunderten verletzten Zivilisten aus dem Schedschaija-Viertel waren auch zwei Brüder, acht und vier Jahre alt. Eine Rakete traf ihr Haus. Nun liegen beide mit schweren Verbrennungen nebeneinander in der Intensivstation des Krankenhauses.

Rettungswagen entgeht Luftangriff nur knapp

Im Al Shifa-Krankenhaus wurden Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen auch Zeugen davon, wie zwei Sanitäter starben und zwei weitere verletzt wurden. Sie hatten versucht, Verletzte aus dem Schedschaija-Viertel zu holen. Ein klar gekennzeichneter Rettungswagen von Ärzte ohne Grenzen war am Morgen des 20. Juli selbst nur knapp einem Luftangriff in 300 Metern Entfernung entgangen. Zuvor hatten die israelischen Behörden der Organisation die sichere Durchfahrt zum Grenzübergang in Erez garantiert, um dort ein chirurgisches Team abzuholen.

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"Der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe sind nicht nur sehr intensiv, sondern auch unvorhersehbar. Das macht es für die Teams von Ärzte ohne Grenzen und andere Helfer sehr schwierig, sich zu bewegen und dringend benötigte medizinische Hilfe zu leisten", beschreibt Nicolas Palarus, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen die Situation im Gaza-Streifen. "Medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen müssen respektiert werden, in der Nähe von Krankenhäusern und Rettungswagen darf nicht geschossen werden", fordert er.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Al Shifa-Krankenhaus derzeit mit einem chirurgischen Team, medizinischer Ausrüstung und stellt auch den Zentralapotheken im Süden und im Norden von Gaza Notvorräte zur Verfügung. Die Klinik zur Nachbehandlung von OP-Patienten, die Ärzte ohne Grenzen in Gaza-Stadt unterhält, ist derzeit nur zu etwa einem Drittel ausgelastet, weil die Intensität der Angriffe die Patienten davon abhält, in das Krankenhaus zu kommen. Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Nasser-Krankenhaus in Khan Junis wurden unterbrochen. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Gazastreifen und leistet chirurgische und medizinische Hilfe sowie psychologische Unterstützung.