Elfenbeinküste

Etwa eine Million Menschen auf der Flucht - Kaum Zugang zu medizinischer Versorgung

In Abidjan ist die humanitäre Situation der Menschen, die im anhalten Konflikt gefangen sind, sehr beunruhigend. Die Bewegungsfreiheit ist in Abidjan aufgrund der fehlenden Sicherheit nach wie vor entweder sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich. Das macht es Patienten fast unmöglich in ein Krankenhaus und Gesundheitspersonal zu den Patienten zu gelangen. Ärzte ohne Grenzen ist in großer Sorge, dass viele Verletzte und Patienten, die an akuten oder chronischen Krankheiten leiden, keinen Zugang zu einer adäquaten Behandlung haben.

Ein Team von Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Abobo-Süd-Krankenhaus in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden rund um die Uhr. Das Krankenhaus ist das einzige noch funktionierende Krankenhaus im Norden der Stadt. Durchschnittlich werden dort täglich 25 bis 30 Verletzte behandelt. Da die Krankenwagen derzeit in Abidjan nicht fahren können, handelt es sich entweder um Patienten, die in der Nähe des Krankenhauses leben und dieses selbst erreichen können, oder sie werden mit Autos oder sogar Schubkarren gebracht.

Am 3. April konnte Ärzte ohne Grenzen mithilfe des ivorischen Roten Kreuzes medizinisches Material zur Behandlung von 50 Verletzten in das Allgemeine Krankenhaus in Treichville im Süden von Abidjan liefern. Am 6. April hat Ärzte ohne Grenzen weiteres medizinisches Material in das Krankenhaus gebracht. Aber viele weitere Krankenhäuser der Stadt haben tagelang keine Materiallieferungen mehr erhalten. Sobald es die Sicherheitslage erlaubt, wird Ärzte ohne Grenzen daher weiteres Material liefern und bei akuten Notfällen Hilfe leisten.

Etwa eine Million Menschen in die Flucht gezwungen

Am 7. April konnten Betäubungsmittel und Infusionsbehälter ins Abobo-Krankenhaus gebracht werden. Eine weitere Priorität für Ärzte ohne Grenzen ist, ein zusätzliches Team in das Abobo-Süd-Krankenhaus zu bringen und es komplett neu mit medizinischem Material auszurüsten.

Die angespannte Sicherheitslage in Abidjan hat auch etwa eine Million Menschen in Richtung Norden der Stadt oder in weiter entlegene Dörfer in die Flucht gezwungen. Die Teams haben an vielen Orten im Westen des Landes, in denen die Menschen sehr stark von der Gewalt betroffen waren, erste Hilfe und weitere medizinische Hilfe geleistet.

Gewalt nach wie vor großes Problem

Vom 28. bis 31. März, während der Kämpfe zwischen Pro-Outtara-Truppen und Gbagdo-treuen Truppen in Guiglo, Doala, Douékoué und Bloléquin, wurden viele Verwundete von einem Chirurgenteam von Ärzte ohne Grenzen in Bangolo und von einem weiteren medizinischen Team in Duékoué behandelt. Seit dem Ende der Kämpfe zwischen den bewaffneten Gruppen wurden dennoch neue Verletzte behandelt. Das deutet darauf hin, dass die Lage nach wie vor unklar ist und Gewalt ein großes Problem darstellt. Vom 28. März bis 5. April wurden im Duékoué-Gesundheitszentrum 285 Verletzte behandelt. In Bangolo wurden 150 Verletzte operiert. Ärzte ohne Grenzen hat auch Krankenhäuser in Danané und Man mit medizinischem Material versorgt.

In der Stadt Duékoué, in der einige Nachbarschaften geplündert wurden, bietet Ärzte ohne Grenzen in einer katholischen Missionsstation medizinische Basisgesundheitsversorgung an. Mehr als 20.000 Vertriebene haben in den Gebäuden der Mission Zuflucht gesucht. Manche dieser Menschen sind bereits seit Januar dort, weil sie zu große Angst haben, das Gelände zu verlassen. Sie benötigen Wasser und Nahrung.

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten auch im Cocoma-Gesundheitszentrum in Duékoué Basisgesundheitsversorgung und haben den Operationssaal im Krankenhaus von Duékoué wieder aufgebaut, nachdem dieser im Dezember geplündert worden war.

In Guiglo haben 15.000 bis 20.000 Vertriebene bei Gastfamilien Zuflucht gefunden. Ärzte ohne Grenzen bietet medizinische Versorgung in einem Gesundheitszentrum im Bezirk Nicla und in einem Vertriebenenlager in der Nähe der Kirche Nazareth, in dem 2.000 Vertriebene leben. Außerdem organisiert Ärzte ohne Grenzen in Bangolo, Bin-Houyé, Gleupleu und Zouan-Hounien zwei Mal pro Woche mobile Kliniken, die jeweils 50 bis 100 Patienten behandeln.

Liberia: Bevölkerungsanstieg setzt lokale Gemeinschaften unter Druck

Zehntausende Ivorer sind über die Grenze nach Liberia geflohen. Die Mehrheit der Flüchtlinge lebt verteilt bei Gastfamilien in Dörfern in Nimba County. Dieser große Bevölkerungsanstieg setzt die lokalen Gemeinschaften unter Druck und macht den ohnehin eingeschränkten Zugang zu Wasser und Nahrung noch schwieriger.

Die UNO hat ein Flüchtlingslager für 15.000 Menschen in Nimba County aufgebaut. Bisher leben dort 2.000 Menschen. Einige Flüchtlinge haben in den vergangenen Wochen begonnen, in ihre Heimatdörfer zurückzukehren. Eine neue Flüchtlingswelle hat das südlich von Nimba gelegene Grand Gedeh County. Teams von Ärzte ohne Grenzen organisieren für die lokale Bevölkerung und die Flüchtlinge an mehreren Orten beider Regionen mobile Kliniken, die pro Tag und Ort im Durchschnitt 80 Patienten behandeln. Malaria, Durchfallerkrankungen, Atemwegs- und Hautinfektionen sind die am meisten diagnostizierten Erkrankungen.

Derzeit arbeiten 45 internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit 150 ivorischen Mitarbeitern in der Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire). Das Team in Liberia umfasst 10 internationale und 30 liberianische Mitarbeiter.

 

Anlässlich der Krise nach den Wahlen in der Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) hat Ärzte ohne Grenzen seine Hilfsaktivitäten im Land im Dezember 2010 wieder aufgenommen. Die Teams leisten medizinische Hilfe und unterstützen Krankenhäuser an verschiedenen Orten der Elfenbeinküste und auf der anderen Seite der Grenze im benachbarten Liberia.