Sri Lanka

"Es ist das erste Mal seit fünf Monaten, dass sie aufsteht" - Nachsorge und Rehabilitation für die vielen Verletzten im Norden des Landes

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten weiterhin für die aus der ehemaligen Konfliktzone im Norden Vertriebenen Hilfe. Sie unterstützen u.a. das Krankenhaus in Vavuniya mit dem Schwerpunkt auf Notfallbehandlungen, während andere Kollegen in der Klinik in Pompaimadhu arbeiten. Dort erhalten Menschen wie Ramachandra, die die linke Hand und das linke Bein sowie einen Teil ihres rechten Fußes verloren hat, postoperative Pflege und Rehabilitation. Tausende Patienten benötigen Unterstützung, wie die junge Frau sie dort erhält.

Ramachandra ist 18 Jahre alt und wurde am 8. Januar verletzt. Sie wurde in einem Krankenhaus in der Region Vanni behandelt und acht Tage später vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) in das Krankenhaus in der Stadt Vavuniya gebracht. Dem jungen Mädchen fehlen die linke Hand, das linke Bein und die Hälfte ihres rechten Fußes. Ohne postoperative Pflege und Rehabilitation wäre sie bis an das Ende ihres Lebens an das Bett gefesselt.

Ramachandra ist derzeit in der Ayurvedischen Klinik in Pompaimadhu 10 Kilometer außerhalb von Vavuniya. Das Krankenhaus in Pompaimadhu ist im Gegensatz zu den meisten anderen Krankenhäusern in der Gegend nicht mit Patienten überflutet: Es liegen keine Patienten auf dem Boden und auch die Krankenwagensirenen sind nicht permanent vor dem Eingang der Klinik zu hören. Neben den Betten stehen viele Rollstühle und Krücken, die von der Organisation Handicap International gespendet wurden. Mindestens 30 Patienten haben Amputationen hinter sich, während weitere 25 gelähmt sind. Nahezu 200 Patienten bekommen in diesem Krankenhaus postoperative Pflege und Physiotherapie. Außerdem werden kleine chirurgische Eingriffe durchgeführt.

"Da das Krankenhaus in Vavunyia überfüllt war, hat das Gesundheitsministerium in der Ayurvedischen Klinik in Pompaimadhu eine postoperative Station eingerichtet, die Ärzte ohne Grenzen seit Anfang Mai unterstützt", sagte ein Mitglied des Notfallteams von Ärzte ohne Grenzen. "Die Station wurde extra für die postoperative Pflege eingerichtet. Es werden kleine Operationen durchgeführt, Verbände gewechselt und Rehabilitation angeboten."

 

Die Menschen sind seelisch erschöpft

Der Physiotherapeut befestigt Krücken mit einem Verband an Ramachandras Arm. Sie steht langsam auf und beginnt zu laufen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, dem Gesundheitsministerium und Freiwillige des Roten Kreuzes gehen in den sechs Gebäuden von Patient zu Patient. Die meisten Patienten haben mehrere Verbände, die mehrmals am Tag gewechselt werden müssen. Chirurgen und Anästhesisten von Ärzte ohne Grenzen führen in einem kleinem Raum chirurgische Eingriffe wie Hauttransplantationen und das Schließen von Wunden durch.

Eine alte Frau versucht alleine mit den Krücken aufzustehen, fällt aber hin und bricht in Tränen aus. Die Menschen sind seelisch erschöpft; sie müssen viel Energie aufbringen, um sich selber zum Gehen zu motivieren. Zwei junge Mädchen beginnen im Nachbarbett eine Unterhaltung. Eine von ihnen ist Agatha, 17 Jahre alt. Ihr wurden beide Beine von den Knien abwärts amputiert.

Eine andere Patientin, ein 14-jähriges Mädchen, lächelt, als der Physiotherapeut sie zum Gehen auffordert. Sie lächelt während der ganzen Übung, aber sowie der Therapeut gegangen ist, bricht sie in Tränen aus und jammert über ihre Schmerzen. Ihre verzweifelte Mutter sitzt neben ihr. "Sie wird in einem Monat wieder laufen können", sagte der Physiotherapeut, während er ihr aus dem Rollstuhl hilft. "Es ist das erste Mal seit fünf Monaten, dass sie aufsteht. Es gibt Tausende Patienten, die das gleiche Schicksal wie sie haben und postoperative Pflege und Physiotherapie benötigen."