Guinea

Erste Ebola-Patienten entlassen – Spezialist nach Liberia entsandt

Ebola-Behandlungszentrum in Conakry, der Hauptstadt von Guinea.

Rund drei Wochen nach Bekanntwerden der ersten Ebola-Fälle in Guinea konnten erste Patienten aus den Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen gesund entlassen werden: Sie haben das hochansteckende Virus besiegt. Trotz dieser ersten Erfolge sind die Helfer weiterhin mit großen Herausforderungen konfrontiert. So musste die Arbeit in einer der drei Behandlungsstationen der Organisation nach einem Vorfall ausgesetzt werden. Außerdem wurden Ebola-Spezialisten in das benachbarte Liberia entsandt, von wo erste Ebola-Fälle gemeldet wurden.

In Guinea wurden bislang von offiziellen Stellen 151 Ebola-Verdachtsfälle bestätigt, 95 Betroffene starben. Ärzte ohne Grenzen hat derzeit 60 internationale Mitarbeiter im Land und mehr als 40 Tonnen Hilfsmaterialien bereitgestellt.

Ebola zeichnet sich durch eine hohe Sterblichkeitsrate aus, außerdem gibt es weder eine Impfung noch eine spezifische Behandlung gegen das Virus. Doch die Überlebenschancen der betroffenen Patienten können durch entsprechende medizinische Versorgung erheblich verbessert werden. So helfen beispielsweise eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Behandlung sekundärer Infektionen.

„Als der erste Patient unser Behandlungszentrum gesund verließ, war ich so glücklich. Das ganze Team jubelte“, erzählt Marie-Claire Lamah. Die guineische Ärztin arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in der Hauptstadt Conakry.

Hilfsaktivitäten in Macenta ausgesetzt

Nach einem Vorfall in der südöstlich gelegenen Stadt Macenta musste Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten dort aussetzen. Bewohner der Stadt warfen Steine auf Gebäude und Fahrzeuge, nachdem sie fälschlicherweise annahmen, die Krankheit sei durch Ärzte ohne Grenzen ins Land gelangt. Niemand aus dem Team wurde während des Vorfalls verletzt. In Macenta werden derzeit zwei Ebola-Patienten von einem Arzt des Gesundheitsministeriums weiter betreut. Ärzte ohne Grenzen plant, die Aktivitäten in Macenta so bald wie möglich wieder aufzunehmen.

„Natürlich verstehen wir, dass die lokale Bevölkerung besorgt ist“, so Henry Gray, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Wir waren in der Vergangenheit bereits mit ähnlichen Reaktionen in anderen Ländern konfrontiert. In solchen Situationen ist es besonders wichtig, dass die Bevölkerung die Krankheit so gut wie möglich versteht und auch die damit einhergehenden Risiken kennt. Auch in Macenta haben unsere Teams Aufklärungsarbeit geleistet, aber es ist sehr schwierig, die Menschen über das Virus aufzuklären und gleichzeitig alles Notwendige zu unternehmen, um den Ausbruch zu stoppen.“

Projekte in Guéckédou und Conakry laufen weiter

In Guéckédou, ebenfalls im Südosten Guineas, ist Ärzte ohne Grenzen weiter aktiv und hat eine Isolierstation aufgebaut. In der Hauptstadt Conakry wurde das Ebola-Behandlungszentrum von 10 auf 30 Betten aufgestockt, um sowohl hochgefährdete Patienten als auch jene mit geringerem Risiko aufnehmen zu können. Derzeit werden in Conakry acht Patienten behandelt.

Sowohl in der Hauptstadt als auch in den anderen Gebieten schickt Ärzte ohne Grenzen wie andere Gesundheitsorganisationen die Teams direkt in die Gemeinden. Die Mitarbeiter stellen fest, ob jemand in Kontakt mit Ebola-Patienten war und versuchen so die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Aufklärungsarbeit gegen Stigmatisierung

Ärzte ohne Grenzen arbeitet auch mit den Gemeinden zusammen um sicherzustellen, dass Patienten, die das Virus besiegt haben, sicher nach Hause zurückkehren können: Dazu müssen erst alle Betroffenen verstehen, dass die Rückkehrer nicht mehr ansteckend sind.

„Wir wissen, dass die Stigmatisierung für viele bereits entlassene Patienten eine große Herausforderung ist“, sagt Ella Watson-Stryker, die für Ärzte ohne Grenzen Aufklärungsarbeit macht. „Wir versuchen, den Familien und der Nachbarschaft zu erklären, dass der betreffende Patient nun ‚negativ‘ ist und keine Gefahr mehr darstellt. Er kann ohne Ansteckungsgefahr berührt und umarmt werden.“

Hilfe in Liberia

Im benachbarten Liberia führt ein Spezialist von Ärzte ohne Grenzen Trainings durch und versucht so die Situation in der kleinen Isolierstation zu verbessern, die das liberianische Gesundheitsministerium eingerichtet hat. Aus Brüssel wurden medizinische Hilfsgüter und Material zur Isolierung in die Hauptstadt Monrovia geflogen. In den nächsten Tagen werden weitere Mitarbeiter nach Liberia entsendet.