Bangladesch

Erstaunt von der Leidensfähigkeit der Menschen - Kolja Stille aus Bremen engagiert sich für die Ärzte ohne Grenzen - Einsätze in Asien und Afrika

Kolja Stille mit seinem Team.

Von André Fesser
BREMEN. Ein Funken Abenteuerlust gepaart mit dem dringenden Wunsch zu helfen - für den Bremer Kolja Stille war dies die Mischung, die ihn für ein Jahr nach Bangladesch führte. Der 36-jährige Mediziner unterstützte als Mitglied der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" ein Flüchtlingsprojekt. Im Sommer dieses Jahres kehrte er nach erfolgreicher Mission aus Asien zurück.

 Den Wunsch, in einem Entwicklungsland zu arbeiten, hatte Stille schon während seines Studiums entwickelt. An fremde Umgebungen ist er gewöhnt, auch vor seiner Zeit in Bangladesch war Stille häufiger in Asien unterwegs und hatte sogar einen Teil seines Berufslebens in Großbritannien verbracht. Mit seiner Bewerbung bei der Hilfsorganisation wollte er dann etwas Gutes tun. "Ich habe in Deutschland eine nahezu kostenlose Ausbildung genossen. Da kann man auch mal was für Menschen tun, die diese Möglichkeiten nicht haben", erklärt der Mediziner sein Engagement. Dass er nach seiner Bewerbung ausgerechnet nach Bangladesch geschickt wurde, freute ihn ganz besonders: "Das fand ich großartig. Immerhin sind die Ärzte ohne Grenzen auch in Gegenden im Einsatz, in denen viel geschossen wird."

In den Krankenstationen am Rande eines Flüchtlingscamps bei Teknaf geriet Stille umgehend in eine multifunktionale Rolle: Personalbüro, Finanzmanager, Lehrbeauftragter, außerdem Chefarzt. Verglichen mit dem Leid der dort lebenden Menschen, waren seine Sorgen eher geringer Natur. Das Camp am Rande eines Flusses bestand aus 8000 Flüchtlingen, die meisten von ihnen waren vor staatlichen Repressionen aus dem benachbarten Birma geflohen. Das selbstgebaute Dorf am Flussufer war häufigen Überschwemmungen ausgesetzt, daher sollte es ins Landesinnere verlegt werden.

Die schlechten Hygieneverhältnisse führten bei vielen Flüchtlingen zu Durchfall. Aber auch mit anderen, viel heftigeren Schicksalen bekam es Kolja Stille zu tun. Dennoch hat er festgestellt, dass auch unter diesen Bedingungen das Leben weitergeht: "Die Leute dort konnten immer noch Lachen. Ich war erstaunt, wie viel die Menschen doch aushalten können."

Nach etwas mehr als einem Jahr konnten der Bremer und die übrigen Ärzte ohne Grenzen der Region um Teknaf den Rücken kehren. Das Lager wurde umgesiedelt, den Menschen geht es nun besser. Seine Mission sieht der junge Arzt aber noch immer nicht als erfüllt an. Nach nur einem Sommer in Bremen zog es ihn schon in den nächsten Einsatz -dieses Mal nach Afrika.

Vor kurzen hat Kolja Stille seine Arbeit in Äthiopien begonnen. Dort erwarten ihn vor allem von Unterernährung gezeichnete Menschen. Im Unterschied zu Bangladesch regnet es dort nur zwei Mal im Jahr. Außerdem gestaltet sich die Sicherheitslage für den Ausländer dort etwas schwieriger. In der Region tobt ein Konflikt um die Vorherrschaft. Stille nimmt dies in Kauf: "Wird schon, ich freu mich drauf."