Einen Tag nach dem Erdbeben

Hunderte verletzter Menschen warten nach dem Erdbeben vor dem Büro der belgischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen auf Hilfe.

Nach dem Erdbeben behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince Patienten mit Brüchen, Kopfverletzungen und anderen schweren Traumata. Die Kliniken sind größtenteils zerstört, und es mussten Zelte aufgebaut werden, um die Patienten zu versorgen. Mehr als 1.000 Patienten sind bisher in den vier Behandlungszelten von Ärzte ohne Grenzen behandelt worden. Die größte Sorge des medizinischen Personals ist derzeit, dass der immense Bedarf nach Behandlungen und Chirurgie nicht zu bewältigen ist.

Eines der Teams hat auch begonnen, in dem größten öffentlichen Krankenhaus im Distrikt Cité Soleil zu arbeiten. Ärzte ohne Grenzen kennt das Krankenhaus, da die Organisation hier früher schon gearbeitet hat. Das Krankenhaus hat einen Operationssaal, in dem einige der Fälle versorgt werden können.

Mangel an Benzin behindert Funktionstüchtigkeit von Geräten

Ärzte ohne Grenzen erwartet innerhalb der kommenden 24 Stunden ein aufblasbares Krankenhaus mit zwei Operationssälen und 100 Betten in Haiti. Begleitet wird es von zusätzlichen Chirurgen und Anästhesisten. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen versuchen, in Port-au-Prince weitere Gesundheitseinrichtungen zu finden, die funktionsfähig sind und in denen chirurgische Eingriffe durchgeführt werden können.

"Für die Menschen in Port-au-Prince war es schon immer schwierig, die wesentlichen Bedürfnisse zu decken", sagte Vincent Hoedt, einer der Nothilfekoordinatoren von Ärzte ohne Grenzen. "Offensichtlich gibt es schon viele Menschen, die durch die Verletzungen sehr geschwächt sind. Außerdem mangelt es an Benzin, und das behindert die Funktionsfähigkeit aller möglichen lebensrettenden Geräte."

25 Tonnen Hilfsgüter bereits angeliefert, weiteres Material steht bereit

Es ist außerdem schwierig, mehr medizinisches Personal und Material nach Haiti zu bekommen - es stehen sieben Charterflüge bereit, aber nur eine Maschine hat es bisher geschafft, in Port-au-Prince zu landen. Das Flugzeug kam mit 25 Tonnen Hilfsgütern vom logistischen Zentrum von Ärzte ohne Grenzen in Panama nach Haiti. Die Hilfsgüter umfassen medizinische Katastrophenkits, Decken, Plastikplanen, Hygiene- und Kochutensilien, Zelte und Kanister. Es werden bis zu 80 weitere internationale Mitarbeiter erwartet, um das Team vor Ort zu verstärken.

Ärzte ohne Grenzen macht sich weiterhin Sorgen um die nationalen Mitarbeiter in Port-au-Prince. Die internationalen Mitarbeiter konnten noch nicht alle haitianischen Mitarbeiter ausfindig machen, da es sehr schwierig ist, Menschen in der Stadt zu finden, und das Kommunikationssystem nicht funktioniert. Die Sorge betrifft auch einige Patienten, die während des Erdbebens in den Gebäuden von Ärzte ohne Grenzen waren.