Verschlechterung der Lage in der Demokratischen Republik Kongo

D.R. Kongo

Obwohl der Konflikt im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo Schlagzeilen machte, spielte die humanitäre Lage der Menschen in der umkämpften Region Nordkivu kaum eine Rolle in den Medien. Auch mehr als ein Jahr nach den ersten demokratischen Wahlen in Jahrzehnten, die dem Land endlich Stabilität bescheren sollten, halten die Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen in Nordkivu an. Mit Unterstützung der UN-Missionstruppe MONUC befindet sich die Regierungsarmee derzeit im offenen Gefecht mit den Kräften des Rebellenführers Laurent Nkunda. Ebenso beteiligt an den Kämpfen sind Gruppierungen wie die Mai Mai und die Ruandischen Hutu-Rebellen der FDLR (Democratic Forces for the Liberation of Rwanda).

Hunderttausende Zivilisten mussten im vergangenen Jahr aus ihren Dörfern flüchten, viele darunter nicht zum ersten Mal. Angesichts der ständigen Bedrohung durch die verschiedenen bewaffneten Einheiten müssen sich die Vertriebenen häufig in Wäldern verstecken, wo es an Nahrung und grundlegender medizinischer Betreuung fehlt. Da die Versorgungswege weitgehend abgeschnitten sind, sterben viele Kongolesen an eigentlich einfach zu behandelnden Krankheiten. Die Mehrheit leidet an Unterernährung, Malaria und Erkrankungen der Atemwege. Auch Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt stellen ein ernstes Problem dar. Zudem ist in Rutshuru und in Goma, der Provinzhauptstadt Nordkivus, eine Cholera-Epidemie ausgebrochen.

Menschen durch Kämpfe und Unsicherheit nicht erreichbar

Ärzte ohne Grenzen hat angesichts dieser Probleme seine Tätigkeiten in der Region verstärkt, obwohl sich die Arbeit der Helfer wegen der anhaltenden Kämpfe und Unsicherheit äußerst schwierig gestaltet. Weite Regionen sind überhaupt nicht erreichbar, Straßen enden einfach im Kampfgebiet. Zu den besonders alarmierenden Aspekten des Konflikts in der Demokratischen Republik Kongo zählt die hohe Zahl an sexuellen Übergriffen. Allein im Zeitraum Januar bis Oktober 2007 begaben sich in Nordkivu mehr als 2.375 Opfer sexueller Gewalt in die Behandlung von Ärzte ohne Grenzen.

In der Region Ituri, wo sich wiederum andere bewaffnete Gruppen als in Nordkivu bekriegen, können noch immer 150.000 Vertriebene nicht in ihre Dörfer zurückkehren. In einem Zustand äußersten Elends sind sie Ausbeutung und Übergriffen praktisch wehrlos ausgeliefert. Im Bon Marché Hospital von Bunia, der Hauptstadt der Region Ituri, behandelte Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen vier Jahren insgesamt 7.400 Opfer von Vergewaltigungen.

Auch in anderen Regionen des Landes forderten im vergangenen Jahr zahlreiche Epidemien den besonderen Einsatz von Ärzte ohne Grenzen, darunter ein Ausbruch des Ebola-Virus in der Provinz West-Kasai.