Kolumbien

Die Vermischung von militärischen Aktionen und humanitärer Hilfe erschwert die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen

Anfang Juli 2008 tarnte das kolumbianische Militär Maßnahmen, die der Geiselbefreiung dienten, als humanitäre Aktion. Ärzte ohne Grenzen ist zutiefst beunruhigt über die Tatsache, dass dabei die Identität einer humanitären Organisation für militärische Zwecke missbraucht wurde. Denn es ist zu befürchten, dass dies zu Verwirrung und einem Verlust an Vertrauen in humanitäre Organisationen bei der Zivilbevölkerung sowie den bewaffneten Gruppen führt. Wenn an der Unabhängigkeit, Unparteilichkeit und Neutralität von humanitären Organisationen gezweifelt wird, gefährdet dies die Sicherheit der humanitären Helfer.

Seit Juli ist Ärzte ohne Grenzen deshalb dazu gezwungen, den Einsatz mobiler Kliniken in vielen ländlichen Gegenden zu unterbrechen. Dies hat direkte negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung in den Konfliktgebieten - vor allem in den Distrikten Nariño, Tolima, Guaviare und Cauca. Ärzte ohne Grenzen hat den Zugang zu 35 Prozent der Gebiete, in denen die Organisation arbeitet, verloren. Dadurch werden ungefähr 300 medizinische Behandlungen pro Tag weniger durchgeführt.

Die Menschen in ländlichen Gegenden Kolumbiens leiden besonders unter den Folgen des seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten Konflikts: Sie haben keinen Zugang zu Basisgesundheitsversorgung, sie leiden an Nahrungsmittelknappheit und leben in Isolation. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten derzeit in 14 Distrikten Kolumbiens medizinische Hilfe für die Bevölkerung. Im Jahr 2007 hat Ärzte ohne Grenzen 101.000 medizinische und 17.000 psychologische Behandlungen durchgeführt.

"Wir sind sehr besorgt über die Konsequenzen, die die Vermischung von militärischer Aktion mit humanitärer Hilfe auf die Sicherheit unserer Teams haben könnte - und damit auch auf unsere Möglichkeiten den Menschen in den Konfliktgebieten zu helfen", erklärten Grant Leaity und David Cantero, Landeskoordinatoren von Ärzte ohne Grenzen in Kolumbien. "Angesichts dieser Situation möchten wir klarstellen, dass wir völlig unabhängig von den Interessen und den Aktivitäten der Regierung, der Militärs und der bewaffneten Gruppen arbeiten. Als Ärzte ohne Grenzen fordern wir den ungehinderten Zugang zur Zivilbevölkerung, die unsere medizinische Unterstützung braucht. Ärzte ohne Grenzen hatte keine Kenntnis von der Geiselbefreiung vom 2. Juli in Kolumbien und war in keiner Weise daran beteiligt."

Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die Unabhängigkeit humanitärer Einsätze respektiert wird und die Identität humanitärer Organisationen nicht von anderen Gruppen für deren Zwecke genutzt wird.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Kolumbien und leistet medizinische und psychologische Hilfe für die Bevölkerung. Zudem hilft die Organisation bei Naturkatastrophen und dem Ausbruch von Epidemien.