Die Rückkehr der Tuberkulose

Weltweit sterben jährlich Millionen von Menschen an Tb, obwohl die Krankheit heilbar ist

Aufgeregt stürzt die junge Frau in das Behandlungszimmer. Gerade hat sie die Ergebnisse der Spuckproben erfahren. Während der Test bei ihren Zimmernachbarn positiv ausfiel, haben sich in ihrem Hustenauswurf keine Anzeichen des Tuberkulose-Erregers gefunden. "Ich will sofort raus aus der Klinik - die anderen stecken mich an." Sie bricht in Tränen aus und erzählt der Krankenschwester: "Drei meiner Kinder sind schon an Tuberkulose gestorben - ich will nicht die Nächste sein." Die Krankenschwester versucht die Frau zu beruhigen und erklärt ihr, dass auch sie krank ist - trotz negativer Probe. Deshalb muss die Behandlung unbedingt weitergeführt werden, denn die Röntgenbilder zeigen noch deutlich die typischen Schatten auf der Lunge. Wird die Therapie jetzt abgebrochen, kann sich die Krankheit zu einer medikamentenresistenten Form entwickeln.

Eine nur allzu bekannte Szene für die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den Kliniken am Aralsee in Usbekistan. In dieser Region steigt die Zahl der Tuberkulose-Fälle seit einigen Jahren dramatisch an. In manchen Städten sind mittlerweile achtmal mehr Menschen erkrankt als im weltweiten Durchschnitt, und in der autonomen Teilrepublik Karakalpakistan ist die Tuberkulose zur häufigsten Todesursache in der Altersgruppe der 15 bis 50jährigen geworden. Die Ursache hierfür liegt neben der extremen Umweltzerstörung vor allem in der Armut der Bevölkerung sowie darin, dass die Gesundheitsversorgung nahezu zusammengebrochen ist.

Ende der 50er Jahre glaubte man die Krankheit in Mitteleuropa dank medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten besiegt - denn Tuberkulose ist heilbar. Trotzdem erkranken jährlich rund acht Millionen Menschen vorwiegend in ärmeren Ländern an Tuberkulose. Häufig tritt die Krankheit als Folge von Mangelernährung, beengten Wohnverhältnissen und schlechten hygienische Bedingungen auf. Obwohl jährlich 1,6 Millionen Menschen an Tuberkulose sterben, wird kaum in die Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten investiert. Das letzte Standardmedikament wurde vor mehr als 30 Jahren entwickelt, und die nur schlecht wirksame Impfung stammt aus dem Jahr 1923.

Die von der WHO empfohlene sorgfältig kontrollierte Therapie, die DOTS-Strategie (Directly Observed Treatment Short Course), ist zwar effektiv, aber schwierig umzusetzen: Die Patienten müssen über einen Zeitraum von sechs Monaten unter direkter Kontrolle des medizinischen Personals ihre Tabletten einnehmen. Dies ist mit hohen Personalkosten für die Regierungen und Lohnausfall für die Patienten verbunden. Die Therapie ist damit für viele Menschen in ärmeren Ländern nicht möglich. Werden die Tabletten jedoch nicht regelmäßig und lange genug eingenommen, kommt es zur Resistenzentwicklung des Erregers gegenüber den eingesetzten Medikamenten. Die Behandlung einer multiresistenten Tuberkulose kostet zwischen 8.000 und 13.000 Dollar pro Patient und ist somit unerschwinglich für die meisten Kranken. So gleicht die Diagnose einer multiresistenten Tuberkulose für viele Menschen einem Todesurteil, während sich die Krankheit gleichzeitig weiter ausbreitet. Deshalb ist es dringend erforderlich, nach neuen Tuberkulose-Medikamenten und einem neuen Impfstoff zu forschen, um den betroffenen Ländern kostengünstige und einfach anwendbare Medikamente zur Verfügung zu stellen.