Jemen

Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die einjährige Najeeba leidet an akuter Mangelernährung. Sie wird im Al-Salam Krankenhaus des jemenitischen Gesundheitsministeriums von uns behandelt. Ihre Mutter erzählt uns, dass sie den Weg von Osman Valley, wo sie leben, bis in das Al-Salam-Krankenhaus in Khamer mit der kranken Najeeba auf dem Arm zu Fuß gelaufen ist. 

Im Jemen ist die humanitäre Lage aufgrund des anhaltenden Konflikts weiter katastrophal. Ärzte ohne Grenzen ist in mehreren jemenitischen Gouvernements aktiv. Die Projekte reichen von erster Nothilfe für Verletzte über lebensrettende chirurgische Eingriffe bis zur Unterstützung von Krankenhäusern und der Versorgung von Vertriebenen mit Wasser und Hilfsgütern. Bisher haben die Teams unter anderem mehr als 1.600 Kriegsverletzte in Aden, Amran, Jahha und Al-Dhale versorgt – und mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter ins Land gebracht. Hier finden Sie einen Überblick über unsere Aktivitäten:

Aden: In Aden betreibt Ärzte ohne Grenzen eine eigene chirurgische Notfallklinik auf dem Gelände des Al-Sadaqa Krankenhauses im Bezirk Sheikh Othman. Das Crater-Gesundheitszentrum wird mit Medikamenten und Benzin für den Stromgenerator unterstützt. Seit 19. März 2015 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Aden mehr als 1.000 Verletzte versorgt. Die Klinik besteht aus einer Notaufnahme, einem Operationssaal, einer Station, einem Röntgenraum sowie Labor und Apotheke. Auch physio- und psychotherapeutische Betreuung wird angeboten. Ärzte ohne Grenzen wird demnächst mobile chirurgische Kliniken anbieten, um Menschen ambulant behandeln zu können, die das Krankenhaus nicht erreichen können.

Bericht eines Mitarbeiters aus Aden:

„Ich weiß nicht, mit welch anderem Wort ich die Situation in Aden beschreiben soll, als mit ‚tragisch‘: Es gibt Gebiete, die völlig leer sind. Die Menschen mussten sie verlassen, da es nicht einmal grundsätzliche Infrastruktur gibt wie Strom, Wasser und Nahrung. Ganz abgesehen davon, dass die extreme Verschlechterung der Sicherheitslage ihr Leben tagtäglich gefährdet.

Nachdem sie ihre Häuser verlassen, leiden manche Menschen nicht nur unter dem Mangel an Wasser und Nahrung, sondern ihnen fehlt auch ein Dach über dem Kopf. Manche klopfen an die Türen anderer und fragen, ob sie bei ihnen übernachten dürfen. Die wenigen Hotels, die noch in Betrieb sind, haben viele Vertriebene aufgenommen. Manche Zimmer werden von ein bis zwei Familien belegt.

Ärzte ohne Grenzen behandelt in Aden immer noch tagtäglich Verletzte. Seit dem Ausbruch der Kämpfe am 19. März haben wir hunderte Verwundete versorgt. Doch wir sind mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert: Sich zu bewegen ist extrem schwierig und manchmal sehr gefährlich. Wir konnten kürzlich nicht einmal das Crater-Gesundheitszentrum erreichen, das wir unterstützen. Das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen ist nun mitten in der Kampfzone. Wir hören die ganze Zeit Bombardements und Luftangriffe. Die Fenster der Klinik sind viele Male zerbrochen. Das Krankenhaus und die Rettungswägen wurden von Streifschüssen getroffen und Heckenschützen sind im umliegenden Gebiet, während die Gefechte weitergehen.

Aden hat sich völlig verändert. Der Flughafen ist zerstört. Viele Gebiete wurden dem Erdboden gleichgemacht. Wenn man durch die Stadt geht, ist man geschockt – man kann nicht glauben, dass man in Aden ist. Man erwartet den Tod an jeder Ecke.“

Mobile Kliniken und Unterstützung für Krankenhäuser

Amran: Seit Mitte Mai bietet Ärzte ohne Grenzen allgemeine Gesundheitsversorgung mittels mobiler Kliniken für Vertriebene an, die ihre Häuser verlassen mussten. Unsere Teams haben bislang mehr als 320 allgemeine Untersuchungen durchgeführt. Zusätzlich unterstützt Ärzte ohne Grenzen mehrere Zufluchtsorte für Vertriebene, u.a. mit Trinkwassertanks, Hilfsgütern und Hygiene-Kits für mehr als 500 vertriebene Familien an 12 Orten in der Stadt Khamer. Auch sind unsere Teams im Bereich Gesundheitsaufklärung aktiv und kümmern sich um die Reinigung des Abwassersystems des zentralen Marktes in Khamer.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt auch das Al-Salam Krankenhauses des jemenitischen Gesundheitsministeriums – darunter Notaufnahme, Intensivstation, Chirurgie, Kinderheilkunde und Ernährungszentrum, Patientenaufnahme, Neugeborenen-Station, Kreissaal, vorgeburtliche Untersuchungen, Blutbank, Labor, Impfungen und Verbandswechsel. Die Organisation unterstützt zudem das Huth-Gesundheitszentrum mit Medikamenten, Sauerstoff, logistischer Ausrüstung, Personalsupport, Strom und einem Überweisungssystem.

Hajja: In Hajja versorgt Ärzte ohne Grenzen Vertriebene mit Wasser, Hilfsgütern und allgemeinen medizinischen Behandlungen im Gesundheitszentrum des Bani Hashim Bezirks. Unsere Teams leisten auch Notversorgung und lebensrettende Eingriffe für Verletzte im Haradh Krankenhaus.

Al-Dhale: Ärzte ohne Grenzen bietet lebensrettende medizinische Leistungen im Al-Nasser Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in Al-Dhale an, darunter die rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme, postoperative Betreuung, Sterilisation von Material, Labor, Infektionskontrolle, Abfallmanagement und Überweisungen.

Zusätzlich unterstützen unsere Teams das Al-Azarik Gesundheitszentrum in den Bereichen Notaufnahme, Geburtshilfe, Familienplanung, Ernährungsberatung und Überweisungen an das Al-Nasser Krankenhaus. In Qataba unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Notaufnahme, den Beobachtungsraum, das Labor und das Abfallmanagement im Al-Salam Krankenhaus, das vom Gesundheitsministerium betrieben wird. Unsere Teams unterstützen auch mehrere Gesundheitszentren im Gouvernement sowie die Krankenhäuser Jaffea und Al-Habilain mit medizinischen Gütern und Materialien.

Hilfe soll noch ausgebaut werden

Saada: Im Al Jumhuri Krankenhaus in Saada Stadt unterstützt ein Team die Notaufnahme, den Operationssaal und die Geburtshilfe-Station. Die Organisation unterstützt auch das Haidan-Gesundheitszentrum mit einem Arzt sowie bei der Organisation des Überweisungssystems und mit Medikamenten – weitere Aktivitäten sind geplant.

Tais: Ärzte ohne Grenzen hat die Krankenhäuser Al-Jumhori und Al-Rawdah mit medizinischem und chirurgischem Material sowie Notfall-Medikamenten unterstützt. Während des anhaltenden Konflikts waren immer mehr Menschen in die Kliniken gekommen. Eines unserer Teams ist vor Ort, um den weiteren Bedarf festzustellen.

Sanaa: Ärzte ohne Grenzen hat bei Notfällen in lokalen Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums Hilfe geleistet. Nach der Bombenexplosion am Berg Noqum am 11. Mai hat Ärzte ohne Grenzen Notfall-Materialien und Medikamente an die beiden Krankenhäuser Al-Thawra und Al-Jumhori geliefert. Seit Anfang 2015 hat Ärzte ohne Grenzen im Rahmen mehrerer Notfälle in Sanaa solche Hilfe geleistet.