Sudan

In der Region Abyei sind nach Kämpfen ganze Städte entvölkert - Ärzte ohne Grenzen leistet Hilfe

Tausende Menschen sind auf der Flucht vor den Kämpfen in der Region Abyei - ganze Orte sind entvölkert.

Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten nach gewaltsamen Zusammenstößen, die in der Nacht vom 20. Mai begonnen haben, in der sudanesischen Region Abyei dringend notwendige medizinische Hilfe. Inzwischen sind ganze Städte entvölkert und tausende Menschen haben ihre Häuser mit wenigen Habseligkeiten verlassen, um den Kämpfen zu entkommen. Die Sicherheitslage in dem Gebiet verschlechtert sich stark, und die Situation wird zusätzlich durch den Beginn der Regenzeit erschwert, die verschlammte Straßen zur Folge hat.

"Wir haben gesehen, dass viele Menschen aus Agok in Richtung Süden gezogen sind, vor allem Montagnacht", sagt der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen, Raphael Gorgeu. "Wir haben Tausende Menschen gesehen, vor allem Frauen und Kinder, die Habseligkeiten auf den Köpfen tragen oder erschöpft vom stundenlangen Fußmarsch auf Matten am Rande der Straßen sitzen. Die Bewohner von Abyei und Agok wurden vertrieben und sind jetzt über verschiedene Gebiete verteilt: in der Umgebung von Turalei, nahe Mayen-Abun und auf der Straße nach Agok."

Schwierige Umstände auf der Flucht

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben die Vertriebenen während ihrer Flucht unterstützt. "Unsere Teams waren auf den Straßen zwischen Turalei und Agok, wo die Vertriebenen lagern", sagt Gorgeu. "Es gibt Zeichen von schwerer Dehydrierung bei vielen Kindern, die unterwegs sind. Wir sind sehr besorgt wegen der schwierigen Umstände, denen die Vertriebenen unterwegs ausgesetzt sind. Ihr Gesundheitszustand kann sich schnell weiter verschlechtern, wenn nicht sofort ausreichend Hilfe geleistet wird. Wir bemühen uns möglichst wirksam und schnell Unterstützung zu leisten."

Die Kämpfe ereigneten sich vor allem in der Stadt Abyei. Am Samstag, den 21. Mai, war die ganze Stadt bereits verlassen, nachdem alle Bewohner aus ihren Häusern geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen hat alle Aktivitäten zur grundlegenden Gesundheitsversorgung in der Stadt unterbrochen. Das Krankenhaus der Organisation in Agok, 40 Kilometer südlich von Abyei, hat über das Wochenende 50 Verletzte aufgenommen.

Aktivitäten in Agok und Turalei

Im Krankenhaus von Agok wurde eine Rehydrierungsstation eingerichtet. Die meisten stationären Patienten in Agok wurden mit einer Zweiwochen-Ration gebrauchsfertiger Zusatznahrung entlassen. Die Klinik bietet der Bevölkerung zudem eine medizinische Basisversorgung an. Ärzte ohne Grenzen errichtete auch eine Basis in Turalei, um chirurgische Aktivitäten in einem bestehenden Gesundheitszentrum zu unterstützen. Außerdem wurden medizinisches Material und essentielle Hilfsgüter wie Zelte, Moskitonetze, Seifen und Plastikplanen nach Turalei entsandt.

Ärzte ohne Grenzen leistet im Sudan seit 1979 medizinische Nothilfe. Derzeit betreibt die Organisation 27 Projekte in 13 Regionen des Landes. Ärzte ohne Grenzen ist seit 2006 in der Region Abeyi tätig und bietet in der Stadt Abyei medizinische Grundversorgung sowie pränatale Behandlungen und Therapien gegen Mangelernährung an. Im Jahr 2010 hat das Team mehr als 18.500 ambulante Behandlungen durchgeführt. Geburten und schwere medizinische Notfälle werden in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Agok überwiesen, das eine breite Palette an Leistungen bietet, so etwa chirurgische Versorgung, Mutter-Kind-Versorgung, ambulante und stationäre Pflege, eine Kinderabteilung, eine Tuberkulose-Abteilung und ein Ernährungszentrum für mangelernährte Kinder. Im Jahr 2010 wurden fast 32.000 ambulante Behandlungen durchgeführt. Im Januar 2011 wurde im Krankenhaus von Agok ein Operationssaal eröffnet.