Somalia

In der Hauptstadt Mogadischu wütet die Gewalt - Ärzte ohne Grenzen leistet dort wie im ganzen Land medizinische Hilfe

Nachdem es in den beiden vorigen Monaten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ruhiger war, sind dort Anfang Mai erneut Kämpfe ausgebrochen. Ärzte ohne Grenzen leistet in Mogadischu wie an vielen weiteren Orten des Landes Hilfe.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben zwischen dem 7. und 22. Mai im Daynile Distrikt von Mogadischu 218 Patienten behandelt, die durch Schüsse verletzt wurden. Darunter waren 81 Frauen und Kinder, die jünger als 14 Jahre waren. Ärzte ohne Grenzen musste die Klinik in Yaqshid im Norden Mogadischus am 14. Mai für zwei Tage schließen, da die Sicherheit der Mitarbeiter nicht gewährleistet werden konnte.

Die Aktivitäten in der Klinik im Ort Lido haben stetig zugenommen, da die Menschen hier Zuflucht vor der Gewalt suchen. Die Klinik hat 50 Betten, derzeit werden aber jede Woche nahezu 120 neue Patienten aufgenommen. Im Mai wurden in einer Woche mehr als 1.200 Kinder unter fünf Jahren behandelt.

Die Zahl der Patienten in der Klinik in Jowhar, 90 Kilometer nördlich der Hauptstadt, hat seit den Kämpfen am 17. Mai hingegen abgenommen, da die Menschen Angst haben auf die Straße zu gehen. Das Ernährungsprogramm hat 30 Prozent weniger Patienten zu verzeichnen. Außerdem hat sich die Zahl der Frauen, die in die Schwangerschaftsberatung kommen, um 40 Prozent reduziert.

 

Zahl der unterernährten Kinder steigt

Viele derjenigen, die aus Mogadischu fliehen, suchen im "Afgooye Korridor" Zuflucht, einer rund 25 Kilometer langen Straße von der Hauptstadt in die Stadt Afgooye. Ärzte ohne Grenzen leistet in Afgooye seit 2007 stationäre Hilfe und führt ein Ernährungsprogramm durch. Das Team hat am 18. Mai Decken, Plastikplanen, Seife und Eimer an 2.500 Familien verteilt. Außerdem unterstützt Ärzte ohne Grenzen eine private Klinik in dem Ort Hawa Abdi, 15 Kilometer außerhalb von Mogadischu, und errichtet ein Gebäude für das ambulante Ernährungsprogramm.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen berichten, dass auch in anderen Orten in Somalia die Zahl der unterernährten Kinder steigt. In Marere in der Region Lower Juba hat sich die Zahl der Kinder im Ernährungszentrum von 45 auf 130 erhöht. 400 Kinder werden darüber hinaus im ambulanten Ernährungsprogramm im nahegelegenen Ort Jilib betreut. Die Zahl der Neuzugänge hat sich auch im Ernährungsprogramm in Süd-Galkayo von 40 auf 75 erhöht; in Nord-Galkayo hat sich die Zahl der Patienten seit März verdoppelt. Derzeit erhalten 300 Kinder ambulante und 40 stationäre Behandlung.

 

Masern sind ein weiteres Problem

Ärzte ohne Grenzen hat Mitte April angefangen in der Region Hiraan nahe der Grenze zu Äthiopien 26.000 Kinder zwischen sechs Monaten und 15 Jahren zu impfen. Auch in den Regionen Adado, Guri El, Dhusa Mareb und Galkayo tauchten Fälle auf. Die Organisation hat Isolierstationen eingerichtet, um die steigende Zahl der Patienten zu behandeln.

Ärzte ohne Grenzen ist in den somalischen Regionen Bakool, Banadir, Galgaduud, Lower Juba, Middle Shabelle, Lower Shabelle und Mudug tätig. Derzeit arbeiten ausschließlich somalische Mitarbeiter in den Programmen. Sie werden von internationalen Mitarbeitern in Nairobi unterstützt, die die Projekte so oft wie möglich besuchen.