Südsudan

Das Land kämpft mit mehreren Notlagen

Aziza Abass und ihr Sohn Tom sind aus den Bundesstaat Upper Nile nach Doro geflohen.

Die Gewalt zwischen dem Sudan und Südsudan hält unvermindert an. Ärzte ohne Grenzen weitet deshalb die Nothilfemaßnahmen erneut aus. Die Organisation versorgt Verletzte nach den jüngsten Auseinandersetzungen, stattet Gesundheitseinrichtungen mit zusätzlichem Personal und Material aus und hilft den Menschen, die durch die Kämpfe vertrieben wurden.

In Aweil und Agok leistet Ärzte ohne Grenzen lebensrettende chirurgische Hilfe für die Verletzten der jüngsten Kämpfe. Die chirurgischen Kapazitäten wurden ausgeweitet, um auch im Falle einer Verschlechterung der Situation sofort reagieren zu können.

Zudem hat Ärzte ohne Grenzen in den Krankenhäusern in Abiemnom und Bentiu, im Staat Unity, Medikamente und medizinisches Material gespendet. Beide Einrichtungen waren wegen der jüngsten Kämpfe mit einem großen Zustrom von Verletzten konfrontiert. In Bentiu unterstützen außerdem zwei medizinische Mitarbeiter der Organisation die Klinik.

Die Regenzeit naht

Entlang der nördlichen Grenze des Staates Unity versorgt Ärzte ohne Grenzen die sudanesischen Flüchtlinge im Lager Yida mit lebensrettender medizinischer Hilfe und stellt sauberes Wasser zur Verfügung. Im Laufe der vergangenen sechs Wochen sind mehr als 6.000 Menschen vor den Konflikten in Süd-Kordofan geflüchtet. Angesichts der nahenden Regenzeit und der wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerung erhöht die Organisation ihre Kapazitäten, um die Menschen angemessene mit medizinischer Hilfe zu versorgen und sich des Managements von Epidemien anzunehmen. Außerdem führen Teams von Ärzte ohne Grenzen in der Region Abyei nahe an der Konfliktregion mobile Kliniken durch. Sie verteilen Material zum Bau von Unterkünften sowie lebensnotwendige Güter wie Decken, Seife und Küchenutensilien an die vertriebenen Menschen. In Rumaner, wo sich die Anzahl Vertriebener in wenigen Tagen verdreifacht hat, verteilte Ärzte ohne Grenzen z.B. Hilfsgüter an rund 1.120 Menschen.

Wettlauf gegen die Zeit

Zusätzlich zu den Aktivitäten angesichts der Konflikte entlang der Grenze leistet Ärzte ohne Grenzen nach wie vor medizinische Hilfe in den Flüchtlingslagern Jamam und Doro im Bundesstaat Upper Nile. Mittlerweile leben in diesen zwei Lagern an die 90.000 Menschen, die vor der Gewalt im sudanesischen Bundesstaat Blue Nile geflüchtet sind. Die Zahl der Flüchtlinge wächst fortwährend, und Wasser wird immer knapper. Für Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen: Medikamente und medizinisches Material müssen jetzt so rasch wie möglich in die Lager transportiert werden, da nach Ausbruch der Regenzeit die Straßen in diese abgeschnittene Region nicht mehr passierbar sind.

Die jüngsten Gewaltausbrüche sind aber nicht das einzige Problem, mit dem der Südsudan zu kämpfen hat: Auch eine zunehmend unsichere Nahrungsmittelsituation, ein ständiger Strom von Vertriebenen, die Ausbreitung von verschiedenen ansteckenden Krankheiten sowie starke Spannungen und Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen machen dem Südsudan zu schaffen.

Auch im Bundesstaat Jonglei ist Ärzte ohne Grenzen weiterhin im Einsatz, um Tausende von Vertriebenen zu unterstützen, die wegen sehr gewalttätiger Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen die Flucht ergriffen haben. Im Staat Warrap führt die Organisation eine Notfall-Impfkampagne durch, um so einer grassierenden Masern-Epidemie entgegenzuwirken. Dabei werden etwa 40.000 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünfzehn Jahren geimpft. Im Distrikt Renk leistet die Organisation medizinische Grundversorgung für diejenigen südsudanesischen Bevölkerungsgruppen, die kürzlich Khartum verlassen haben.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1983 im Südsudan tätig. Mehr als 2.000 südsudanesische Mitarbeiter sowie 200 internationale Freiwillige arbeiten in einem Dutzend Projekte, die sich auf acht der zehn Bundesstaaten des Landes verteilen.