Simbabwe

Cholera in Harare - Ärzte ohne Grenzen reagiert auf Ausbruch in der simbabwischen Hauptstadt

Desinfektion in einem Cholera-Behandlungszentrum.

In der simbabwischen Hauptstadt Harare helfen Teams von Ärzte ohne Grenzen nach einem Cholera-Ausbruch, den das dortige Gesundheitsministerium als "größten, den Harare je erlebt hat" bezeichnete. Die Mitarbeiter haben Cholera-Behandlungszentren in der Budiriro Polyklinik und dem Harare Krankenhaus für Infektionskrankheiten eingerichtet. Bisher wurden dort 500 Patienten behandelt, und täglich werden durchschnittlich 38 neue Patienten mit der schweren Durchfallerkrankung aufgenommen. Ungefähr 78 Prozent der Patienten kommen aus Budiriro und Glen View, zwei dicht besiedelten Vororten im Südwesten Harares, in denen insgesamt rund 300.000 Menschen leben. Vom Ausbruch betroffen sind aber auch Bewohner der benachbarten Vororte Mbare, Kambuzuma, Kwanzana und Glen Norah. Bis zu 1,4 Millionen Menschen sind gefährdet, falls sich die Krankheit weiter ausbreitet.

Nachdem Ärzte ohne Grenzen um Hilfe gebeten wurde, stellte die Organisation Personal und medizinisches wie logistisches Material für die beiden Cholera-Behandlungszentren bereit. In dem Team von derzeit 40 lokalen Mitarbeitern arbeiten Pflegepersonal, Logistiker, Mitarbeiter, die für die Chlorierung zuständig sind, sowie weiteres Gesundheitspersonal, das sich um die Eindämmung der Cholera bemüht. Dafür werden Häuser von Betroffenen desinfiziert, Personen identifiziert, mit denen die Erkrankten in Kontakt waren, und Begräbnisse beaufsichtigt, denn die traditionelle Praxis des Waschens der Toten, gefolgt von Händeschütteln und gemeinsamen Essen begünstigt die Ausbreitung.

Verwahrloste Infrastruktur als Hauptursache

Cholera ist im krisengeplagten Simbabwe kein neues Phänomen. In manchen ländlichen Gebieten Simbabwes ist die Krankheit endemisch und tritt Jahr für Jahr auf. In städischen Gebieten war Cholera bis vor wenigen Jahren jedoch relativ rar, da es in den meisten Häusern Wasserleitungen und Toilettenspülungen gab. Von der anhaltenden wirtschaftlichen Krise und den konstant schlechter werdenden Lebensbedingungen sind jedoch auch die Städte mehr und mehr betroffen.

Das Cholerabakterium wird von bereits infizierten Menschen über Stuhlgang und Erbrechen ausgeschieden. Die zusammenbrechende Infrastruktur, kaputte Abflussrohre und Unterbrechungen der Wasserversorgung sind für den aktuellen Ausbruch hauptverantwortlich, da sie die Menschen zwingen, einfache Brunnen zu graben und ihre Notdurft im Freien zu verrichten. Während der von November bis März andauernden Regenzeit werden Abwässer durch heftige Regenfälle in die einfachen Brunnen geschwemmt. Die Tatsache, dass die jüngsten Cholera-Ausbrüche bereits vor der Regenzeit begonnen haben, sind ein klarer Indikator für die schlechter werdende sanitäre Situation und für Engpässe in der Versorgung mit sauberem Wasser und damit ein beunruhigender Vorbote für die Regenzeit.

Es wird mehr medizinisches Personal benötigt

Precious Matarutse, Wasser- und Sanitärexperte von Ärzte ohne Grenzen, beschreibt die Situation in Budiriro wie folgt: "Im Cholera-Behandlungszentrum laufen die Dinge aus dem Ruder. Es kommen so viele Patienten, dass das Pflegepersonal kaum mit der Arbeit nachkommt. In der Beobachtungsstation starb ein Mädchen, während es auf einer Bank wartete. Das Personal nutzt jeden verfügbaren Raum, und dennoch müssen auf der Beobachtungsstation Patienten auf dem Boden liegen. Ein Mann kam gestern zur Behandlung in die Klinik. Seine Frau war kurz zuvor zuhause verstorben, daraufhin erkannten seine Verwandten, wie ernst die Erkrankung ist und brachten ihn hierher. Sie wollten wissen, was sie mit dem Körper der Verstorbenen machen sollten. Die Menschen haben Angst davor, sich mit der Cholera zu infizieren. Die Aufklärung der Bevölkerung muss intensiviert werden."

Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den Cholera-Behandlungszentren sind mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Vittorio Varisco, Logistiker, über den Kampf gegen die Krankheit: "Es ist eine ständige Herausforderung, den wachsenden Patientenzahlen gerecht zu werden. Uns gehen der Platz und die Betten für die Patienten aus. Heute liegen Patienten hier im Krankenhaus für Infektionskrankheiten draußen im Gras, und wir müssen Zelte mit zusätzlichen Betten aufstellen, da die Stationen überfüllt sind." Der Arzt Bauma Ngoya erklärt, warum zusätzliches Personal so wichtig ist, um die Patienten effektiv behandeln zu können und den Ausbruch einzugrenzen: "Die Patienten benötigen ständige Beobachtung. Nur so kann die Versorgung mit ausreichender Flüssigkeit garantiert werden, ohne die sie sterben. Da die Patientenzahlen steigen, müssen wir weiteres Personal einstellen und ausbilden."