Haiti

Chirurgie, mobile Kliniken, psychologische Unterstützung und Nachsorge - Schwerpunkte der Hilfe zwei Wochen nach dem Erdbeben

Nachsorge eines Patienten mit schweren Verbrennungen - Übungen, um die Beweglichkeit zu erhalten, gehören dazu.

Die Hauptaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Haiti sind immer noch die Behandlung von Patienten, die beim Beben verletzt wurden, sowie die Nachsorge. Psychologische Unterstützung für Überlebende der Katastrophe gehört ebenfalls dazu. Die psychischen Folgen der Katastrophe werden anhand der Symptome von Patienten immer deutlicher. So berichten die Mitarbeiter einer medizinischen Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen in Leogane davon, dass etwa die Hälfte der dort behandelten Menschen an Traumata leiden.

"Bislang haben wir lebensrettende Eingriffe durchgeführt. Jetzt müssen wir uns zudem noch stärker auf Operationen konzentrieren, durch die verletzte Gliedmaßen erhalten werden können. Wir müssen Menschen mit Wunden operieren, die sich infiziert haben. Eine solche Infektion kann sich innerhalb von wenigen Tagen auf das ganze betroffene Körperteil ausdehnen, wenn kein chirurgischer Eingriff erfolgt. Um dem großen Bedarf für solche Operationen nachzukommen, arbeiten wir noch immer rund um die Uhr. Außerdem eröffnen wir einen dritten OP in Choscal," erklärt Rosa Crestani, medizinischen Koordinatorin vor Ort. "Ärzte ohne Grenzen sucht auch mit mobilen Teams nach Menschen, die dringend eine Behandlung brauchen, aber noch keine erhalten haben."

Das Krankenhaus in Carrefour hat soeben eine Behandlungsstatistik der letzten acht Tage bekannt gegeben: Die Mitarbeiter haben in dieser Zeit 208 größere und 100 kleinere chirurgische Eingriffe durchgeführt, 2.400 Verletzte verbunden und fast 450 Patienten stationär behandelt. Nach einem Nachbeben in der vergangenen Woche wurde das Gebäude des Krankenhauses als einsturzgefährdet eingestuft, und alle Patienten mussten nach nebenan in die neue medizinische Einrichtung verlegt werden, die in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Schule aufgebaut wurde.

Suche nach Räumlichkeiten für weitere Einrichtungen geht weiter

Gleichzeitig sucht Ärzte ohne Grenzen weiter nach Räumlichkeiten, in denen medizinisch gearbeitet werden kann. Das Team, das vor Kurzem das aufblasbare Krankenhaus in Port-au-Prince errichtet hat, arbeitet derzeit an einem Plan, in einem freien Gelände innerhalb der Stadt eine Art "Dorf" zu errichten, in dem Patienten mit Nachsorgebedarf untergebracht werden können. Dort sollen nachoperative Pflege, Verbandswechsel sowie Physiotherapie und Psychotherapie für etwa 100 Patienten stattfinden können.

Da die Patienten aufgrund des Erdbebens immer noch große Angst haben, sich innerhalb normaler Gebäude aufzuhalten, sollen die Stationen der Einrichtung erneut mit Zelttuch errichtet werden.

In der Nähe des Krankenhausgeländes von Carrefour, wo Mitarbeiter Untersuchungen und Behandlungen für die Menschen der Umgebung durchführen, beginnen die Teams nun auch mit der Verteilung von Zusatznahrung an Kinder.