Nigeria

Bleivergiftungen - das Dorf Bagega wird endlich dekontaminiert

In dem Dorf Bagega im nigerianischen Bundessstaat Zamfara hat das Umweltministerium endlich damit begonnen, das Gebiet von lebensbedrohlichen Bleirückständen zu befreien. Passiert dies nicht, sind die Kinder in dem Dorf immer wieder der schädlichen Substanz ausgesetzt und können nicht wirksam gegen Bleivergiftungen behandelt werden. Diese können bei Kindern zu schweren Gehirnschäden und letztlich zum Tod führen. Die betroffenen Mädchen und Jungen leiden unter Appetitverlust, Erbrechen, Bauchschmerzen und Gewichtverlust, geistigen Beeinträchtigungen, Verhaltensstörungen und Nierenversagen.

Ärzte ohne Grenzen hatte erstmals im März 2010 von der hohen Anzahl von Bleivergiftungen im Bundesstaat Zamfara erfahren: Damals waren rund 400 Kinder an Bleivergiftung gestorben; Tausende mehr wiesen extrem hohe Bleiwerte im Blut auf. Es war der schwerste Ausbruch von Bleivergiftungen, der jemals bekannt wurde. Seitdem haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 2.500 Kinder in Zamfara gegen Bleivergiftung behandelt.

Zwei Jahre mussten die Kinder warten

Doch in Bagega mussten die Kinder mehr als zwei Jahre warten, bis die Fördergelder für die Dekontaminierung des Gebiets freigegen waren. Nun ist es aber so weit und zusammen mit Umweltingenieuren der TerraGraphics Foundation hat das nigerianische Umweltministerium am 11. Februar mit den Arbeiten begonnen.

"Es wurde höchste Zeit", so Ivan Gayton, Sprecher von Ärzte ohne Grenzen in Nigeria. "Wir stehen seit Langem bereit, die Kinder in Bagega zu behandeln. Doch wir können die Hilfe erst starten, wenn Experten bestätigen, dass das Gebiet frei von Bleirückständen ist ". Denn sonst ist die Gefahr groß, dass die Kinder sich erneut kontaminieren. Eine Behandlung ist dann zwecklos.

Die Dekontaminierung muss vor Beginn der Regenzeit abgeschlossen sein

Auch eine halbfertige Dekontaminierung ist sinnlos - deswegen müssen die Verantwortlichen die Arbeiten unbedingt vor Beginn der Regenzeit im April abschließen. Die Ingenieure von TerraGraphics sind entschlossen, dieses Ziel zu erreichen: "Zusammen mit dem Gesundheitsministerium arbeiten wir rund um die Uhr, damit Ärzte ohne Grenzen so bald wie möglich die Kinder in Bagega behandeln kann", so Simba Tirima von TerraGraphics.

Für die Kontamination der Dörfer im Bundesstaat Zamfara sind Goldschürfer verantwortlich, die Gold aus bleihaltigem Erz gewinnen. Ein Ende der Vergiftungen erfordert deswegen letztendlich eine Dreifachlösung: Die Betroffenen müssen medizinisch behandelt werden, das Gebiet muss vollständig dekontaminiert werden und die Goldschürfer müssen ihre Arbeitsmethoden verändern, damit sie ihre Gesundheit oder die anderer nicht weiter gefährden.

Ärzte ohne Grenzen ist seit dem Jahr 1971 in Nigeria aktiv.