Äthiopien

Äthiopien: „Wir haben ihr Leben gerettet und es geht ihr besser“ – das Mangelernährungsprogramm in Afar

Im Ernährungsprogramm in Teru wird ein Kind untersucht.

Die Region Afar im Nordosten von Äthiopien zählt zu den abgelegensten und vernachlässigten Gebieten des Landes. Die extreme Natur mit sehr hohen Temperaturen führt immer wieder zu Ernährungsproblemen. Besonders in Teru, wo Ärzte ohne Grenzen mit einem Mangelernährungsprogramm stationiert ist, gibt es einerseits heftige Sandstürme und Hitze, während es andererseits in der Regenzeit zu starken Überflutungen kommt, durch die Gebiete abgeschnitten werden. Auch die nomadische Lebensweise macht es den Teams nicht leicht, die betroffenen Menschen zu erreichen.

Als die kleine Zahari Nur in die ambulante Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen in Digdiga, eine der zwölf Provinzen von Afar, gebracht wurde, dachte jeder, dass es nur eine Frage der Zeit sei bis sie sterben würde. „Ich hatte die Hoffnung auf meine Enkelin schon aufgegeben. Ich dachte, sie würde wie die anderen drei vor ihr sterben“, sagt Eisa Wasaitu, Zaharis Großmutter. Das einjährige Mädchen litt unter schwerer akuter Mangelernährung und körperlicher Auszehrung, als sie nach Digdiga gebracht wurde. Ihre Großmutter begleitet sie, weil sie diejenige ist, die sich um das Kind und dessen älteren Bruder kümmert. Denn Zaharis Mutter leidet an einer Psychose.

Zahri wurde in das Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen und musste dort wegen einer Lungenentzündung auch stationär behandelt werden. Nach zwei Monaten blüht das Mädchen langsam auf. Innerhalb der vergangenen Wochen ist ihr Gewicht von 3,2 Kilo auf 4,9 Kilo gestiegen. „Dieses Kind zu sehen macht mich sehr glücklich, denn ihre Großmutter und der Rest der Gemeinde dachten, dass sie sterben würde, aber wir haben ihr Leben gerettet und es geht ihr besser“, sagt Nabiyu Ayalew, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen.

Es ist sehr schwierig, Patienten zu erreichen

Um dem Ernährungsproblem entgegenzuwirken, ist Ärzte ohne Grenzen in dem unüberschaubaren Bundesstaat Afar unterwegs. Dieser ist sehr groß und die Gegend, in der Ärzte ohne Grenzen aktiv ist, zählt zu den abgelegensten und am meisten vernachlässigten. Die Teams behandeln dort verschiedene Krankheiten wie Lungenentzündung und Tuberkulose und geben therapeutische Nahrung aus.

Manche Fälle, wie der von Salama Hassan, deren neun Wochen altes Baby drei Mal stationär aufgenommen wurde, sind besonders problematisch. Salama ist nicht der Meinung, dass ihr Kind an Mangelernährung leidet, sondern dass ein böser Wind das Baby krank gemacht hat.

Im April begann eine mobile Intervention in Gebiete, in denen es keinerlei medizinische Versorgung gibt. Diese ist mittlerweile abgeschlossen. Die meisten Betroffenen, die in diesem Rahmen Hilfe erhielten, sind mittlerweile stabil. „Insgesamt haben wir 78,2 Prozent geheilte Fälle, und nur 4,5 Prozent schließen die Behandlung nicht ab, was in meinen Augen ziemlich ‚gut‘ ist, wenn man bedenkt, dass der Zugang zu den Patienten in dieser Gegend keinesfalls einfach ist“, meint Jean François Saint-Sauveur, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Äthiopien.

Anwesenheit von Ärzte ohne Grenzen bedeutsam

Die Afari sind ein Nomadenvolk, das auf der Suche nach Wasser und Weideland für ihre Tiere von Ort zu Ort zieht. Diese Lebensart führt dazu, dass sie ihre Behandlung oft nicht zu Ende führen können. Zusätzlich erschweren geographische Zugangsschwierigkeiten die Möglichkeit für Ärzte ohne Grenzen zu helfen.

Die Anwesenheit unserer Organisation ist aber nicht nur wichtig, weil unsere Teams dort helfen. Wir machen auf die Probleme des Gesundheitswesens in der Region aufmerksam und engagieren uns für die Bereitstellung einer Basisgesundheitsversorgung.